Vortrag Gerard Minnaard bei OT132 Uelzen:
IDA
G.
Minnaard ist Niederländer- wie wir feststellen konnten, heute der 2. Ausländer
an unserem Tisch- und hat in Uelzen
das Projekt „IDA“, Integration durch Arbeit, sowie weitere Projekte ins
Leben gerufen. Seine gesamte Tätigkeit in den Sozialprojekten ist ehrenamtlich,
das Geld zum Leben verdient die Ehefrau.
Zur
Einleitung liest Herr Minnaard eine Annonce aus der Zeitung vor, in der von
einem Arbeitgeber eine Stelle angeboten wird, zu denen sich aber nur wirklich
Arbeitswillige melden sollten und knüpft die Frage daran, ob wir dem Inhalt
bzw. der Art und Weise der Formulierung (die durchaus für manch Arbeitslosen
erniedrigend ist) auch nach seinem Vortrag noch zustimmen können.
IDA
wurde vor sieben Jahren mit 3 ABM-Stellen aufgebaut, jetzt sind es 25
Angestellte und insgesamt werden 270 Arbeitslose betreut, davon der größere Teil 1€-Jobber,
der Rest Arbeitslose, die sich auf Stundenbasis etwas dazu verdienen und unter
dem Dach von IDA niedrig qualifizierte Arbeiten durchführen. Ziel von IDA ist
es, die Menschen durch Arbeit in die Gemeinschaft zu integrieren. Hierbei geht
es um einen Nebenverdienst ( ca. 5 €/h). IDA begleitet die Arbeit und regelt
die Formalitäten. Für den Auftraggeber kostet die Stunde 9 €. Dabei wird
darauf geachtet, dass keine Konkurrenz zu gewerblichen Betrieben entsteht.
Angeboten werden haushaltsnahe Tätigkeiten, die seit Neuestem steuerlich
absetzbar sind, wie Gartenpflege, Hausmeistertätigkeiten, Umzugshilfe. Bei
allen größeren Einsätzen ist immer ein qualifizierter Mitarbeiter zur
Beaufsichtigung dabei (15 €/h).
Die
Beschäftigung der 1€-Jobber ist auf ein Jahr begrenzt. Man hat aber die
Hoffung, dass auf diese Weise Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt entsteht,
wenn ein guter Mitarbeiter übernommen wird. Die 1-€-Jobber dürfen nur
gemeinnützige Arbeiten ausführen, wie z.B. Müll
sammeln
am O-See, Hilfe beim BUND, Betreiben von Kiosken bzw. Cafeterien in Schulen, wo
Pausen-Brötchen verkauft werden. Die Anfragen williger 1-€-Jobber sind
inzwischen größer als die Arbeitsmöglichkeiten. Wichtig ist für Herrn
Minnaard, dass alle Mitarbeiter, wo sie auch stehen, IDA in der Öffentlichkeit
vertreten und sich entsprechend verhalten sollen.
Die
Finanzierung von IDA erfolgt aus Geldern der Arbeitsagentur für
die Betreuung der 1-€-Jobber für die auf 6 bis 12 Monaten begrenzten
Maßnahmen, aus EU-Mitteln, z.B. für
die Produktionsschule und aus Spenden, zu denen auch wir aufgerufen sind, und
aus Mitgliedsbeiträgen (ab 25 € pro Jahr).
Ein
weiteres Projekt neben IDA ist die Uelzer Tafel. In diesem Projekt wird
ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet, ungefähr 70 Personen engagieren sich
hier. Mittwochs und samstags (den Markttagen) findet im Bohldamm die
Lebensmittelausgabe statt, von der bis zu 150 Personen profitieren. Es wird das
verteilt, was von den ehrenamtlichen Mitarbeitern auf dem Markt, von Bäckereien
und Lebensmittelgeschäften zusammen gesammelt wurde, aber auch Fehlchargen aus
der Lebensmittelproduktion. - Einmal in der Woche (dienstags) gibt es ein warmes
Essen im Martin-Luther Haus, das von einer
engagierten Truppe von Frauen für ca. 70-80 Teilnehmer zubereitet wird.
Jedermann ist dazu eingeladen, das Essen kostet 1€, gern darf jedoch mehr dafür
gegeben werden. Das dort verwendete Fleisch wird seit Beginn dieser Initiative
ausschließlich von der Fleischerei Kudritzki gestiftet.. –Weiter gibt es den
Mittagstisch für Kinder am Königsberg, wo mit der BBS II und der GWK
kooperiert wird..
Für
Herrn Minnaard ist das gemeinsame Essen im Martin-Luther-Haus oder auch am Königsberg
ein wesentlicher Bestandteil für Kommunikation und Integration.
Herr
Minnaard betreut des Weiteren das „Soziale Kaufhaus“ in der Karlstrasse und
die ab März erscheinende Zeitung „Anstoß“, die von Arbeitslosen herausgegeben wird, ist
auch seine Idee. Er schöpft die Kraft für diese aufopferungsvolle und sicher
nicht leichte Tätigkeit in den vielen Projekten aus seiner positiven religiösen
Einstellung.
Schon
während des Vortrages entwickelte sich eine rege Diskussion, zu der besonders
unsere beiden Lehrerinnen beitrugen. Die Organisation ist straff, die Regeln
sind streng. Die Frage des Missbrauchs z.B. im Sozialen Kaufhaus oder auch in
der Uelzener Tafel sieht Herr Minnaard wegen seiner christlichen
Grundeinstellung nicht so eng; wenn aber Missbrauch festgestellt wird, wird ein
ernstes Gespräch geführt und es werden Konsequenzen gezogen.