Der deutsch-französische Krieg 1870/71 und die deutsche Reichsgründung
Vortrag von Stefan Siebert bei OT 158 Kalkar

 

Durch den Wiener Kongress 1814/15 wurde Europa neu geordnet und die Grenzen neu festgelegt. Dies war notwendig nach Ende der napoleonischen Herrschaft Frankreichs (Niederlage der Franzosen gegen die Russen 1812, Schlacht an der Berisiner, Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und ein letztes Aufbäumen in der Schlacht bei Waterloo mit anschließender Verbannung Napoleons auf die Atlantikinsel St. Helena)

Im Wiener Kongress wurde unter Leitung des Fürsten Metternich davon abgesehen, Frankreich Gebiete wegzunehmen. Es wurde insoweit überraschenderweise geschont. Vielmehr wurden Frankreichs Grenzen von 1792 festgeschrieben. Es musste nur die besetzten Gebiete in Europa räumen. Im Verlauf des Wiener Kongresses wurde auch der so genannte Deutsche Bund gegründet. Es handelt sich dabei um ein lockeres Staatenbündnis (kein Bundesstaat!). Mitglieder waren die etwa 35 Königreiche und Fürstentümer in Deutschland sowie die freien Reichsstädte. Im Präsidium saßen Preußen und Österreich, die um die Vorherrschaft kämpften. Im Verlauf des dänischen Krieges 1864 zerstritten sich Preußen und Österreich immer mehr, so dass es schließlich zum Deutschen Krieg oder auch Preußisch-Österreichischen Krieg kam. Hier kämpften die Österreicher mit vielen Süddeutschen Staaten gegen Preußen und die verbündeten Norddeutschen Staaten. In der Schlacht bei Königgrätz wurden Österreich und seine Verbündeten vernichtend geschlagen. Infolge dieses Krieges wurde der norddeutsche Bund gegründet und Preußen bekam die Vorherrschaft über Deutschland. Bismarck war zu dieser Zeit der Preußische Kanzler. Er verstand es durch geschickte Politik, die übrigen kontinentalen Mächte wie Frankreich und Russland aus dem Krieg herauszuhalten. Er ging zum Schein auf die immer wieder von den Franzosen geforderte Verschiebung der französischen Ostgrenze an den Rhein ein. Auch gab es geheime Abkommen zwischen Österreich und Frankreich (Napoleon III.) über eine Abtretung des linksrheinischen Gebietes im Rheinland und der Pfalz an Frankreich. Für den französischen Kaiser Napoleon III. (er war der Neffe von Napoleon Bonaparte) bedeutete der Sieg der Preußen über die Österreicher eine schwere außenpolitische Niederlage. Als dann die spanische Erbfolge anstand und sich ein Hohenzollern-Prinz (Leopold) um den Thron bewarb, war Napoleon außer sich. Er befürchtete, von Preußen und Spanien „in die Zange genommen zu werden“ und rüstete auf. Als Leopold erkannte, welche Gefahr die Kandidatur um den spanischen Thron bedeutete, zog er seine Bewerbung zurück. Dies genügte Napoleon III. nicht. Durch Selbstüberschätzung und der Absicht, „Rache für Sadowa (französische Bezeichnung für die Schlacht bei Königgrätz) schickte er seinen Botschafter zu dem gerade im Kurort Bad Ems an der Lahn weilenden preußischen König Wilhelm I. und verlangte von ihm eine Erklärung, dass sich kein Deutscher, insbesondere kein preußischer Adliger jemals wieder um eine Thronfolge in Spanien bewirbt. Wilhelm I. lehnte ab. Über das Gespräch zwischen ihm und dem frz. Botschafter entwarf er eine Mitteilung an seinen Kanzler Bismarck, der sich in Berlin befand, die berühmte Emser Depesche. Bismarck veränderte diesen Text und machte daraus eine ultimative Forderung Frankreichs an Preußen. Der Text wurde in sämtlichen europäischen Staaten und insbesondere auch Zeitungen verbreitet. Wie von Bismarck beabsichtigt, erklärte Napoleon III. Preußen den Krieg. Durch geschickte Außenpolitik erreichte Bismarck, dass sich kein anderer Staat, insbesondere nicht Österreich, England oder Russland in die Auseinandersetzung einmischte. Preußen und der norddeutsche Bund sowie viele süddeutsche Staaten (Baden, Bayern, Württemberg, Hessen usw.) zogen gemeinsam gegen Frankreich in den Krieg. Die Franzosen, die viele logistische Probleme hatten, waren den deutschen Truppen nicht gewachsen. In der Schlacht bei Sedan, an der Napoleon III. persönlich teilnahm, mussten die Franzosen eine bittere Niederlage einstecken (02.09.1870 Sedans Tag – Feiertag in Kaiserdeutschland bis 1918). Im Vorfrieden von Paris und im endgültigen Frieden von Frankfurt musste Frankreich Territorien abgeben und Reparationen  leisten. Im Zuge der Niederwerfung Frankreichs durch die siegreichen deutschen Truppen erfolgte die Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. zum deutschen Kaiser Wilhelm I. im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles am 18.01.1871. Gleichzeitig wurde das deutsche Reich (sog. Klein-Deutsche Lösung) ohne Österreich) gegründet.

Es war klar, dass sich die Franzosen niemals mit der Abtrennung von Elsass Lothringen abfinden würden.

Im zweiten Teil des Vortrages über das deutsch-französische Verhältnis werden wir dann mit Stefan eine Zeitreise über den ersten Weltkrieg bis zum Ende des zweiten Weltkrieges 1945 machen.