zur Startseite - klick hierVortrag von Tim Kruschewsky von OT 22 Heidelberg am 13.01.2004

Filippo Brunelleschi und die Krise am Dombau von Florenz

Bevor ich zur Baugeschichte der Kuppel des Domes "Santa Maria del Fiore" komme, möchte ich einen Rückblick auf die Zeit geben, aus der heraus dies Bauwerk überhaupt erst möglich wurde.

Es ist das auslaufende MA. also die Mitte des 15. Jh.

Epochale Ereignisse geschehen um diese Zeit: um 1425 die Erfindung des Buchdrucks, 1453 die Eroberung Konstantinopel, 1492 die Entdeckung Amerikas, 1517 der Beginn der Reformation und von etwa 1400-1600 die Renaissance.

Der Begriff R. bezeichnet etwa 2 Jh. der Bildung, des Aufbruches eines neuen Bewußtseins: "als sei die Menschheit nach einem langen Schlaf - oder geradezu nach einem Tod - auferstanden", eine Periode gesellschaftlicher Erneuerungen, voller Kreativität auf den Gebieten der Künste, der Literatur, der Wissenschaften und in der Sitte.

Es war eine Wiedergeburt der klassischen Kultur - der Antike - und die Überwindung der dunklen Zeit des MA.

Während im MA. Kunstwerke im Auftrag der Gemeinschaft entstanden, schwindet diese gesellschaftliche Funktion in der Renaissance.

Die Menschen dieser Zeit hatten von sich ein großes Selbstvertständnis. Ihre Künstler drängte es, ihrer Individualität selbstbewußt Ausdruck zu geben.

Daß eine künstlerische Aussage und eine Idee nunmehr an eine Person gebunden war, hatte revolutionäre Bedeutung.

Die Humanisten dieser Zeit meinten, nur im klassischen Altertum absolute Maßstäbe für kulturelle Leistungen und menschliches Handeln zu finden. Sie trugen dazu bei, daß sich ein neues Wertgefühl, das Ideal von Selbstverwirklichung und Bürgertugend entwickelte und sich eine vom Klerikalen entfremdete, weltoffene Geisteshaltung durchsetzte.

Soweit einige Aspekte des Zeitgeistes aus dem heraus Filippo Brunelleschi, geb. 1377, offenbar ein gebildeter Mensch, mit beachtlichem technischen Können und künstlerischer Begabung.

Zunächst arbeitete er als Goldschmied und Uhrmacher, später als Zeichner und Bildhauer vor allem aber als Architekt.

Eine der wichtigen Entwicklung von B. war die der Zentralperspektive. Sie spielte in der R. besonders in der Malerei aber auch in der Darstellung von Bauwerken und städtischen Plätzen eine große Rolle.

1407 reiste er nach Rom, wohl als einer der ersten Architekten, die die baulichen Reste der Antike systematisch studierten. Er muß wohl außergewöhnlich zielstrebig gewesen sein, denn sein ganzes Studium galt vor allem dem Wunsch, die Domkuppel seiner Vaterststadt Florenz zu erbauen.

Ihn beschäftigte vor allem die Frage, wie diese Kuppel zu wölben sei, ohne ein Gerüst von Holzwerk, dessen Dimensionen kaum vorstellbar und finanzierbar waren.

Die Kuppelwölbung des Pantheon und deren Mauertechnik aus dem Jahr 118 n.Chr. studierte er in diesem Zusammenhang in besonderem Maße.

1418 wurde für den geplanten Kuppelbau in Florenz ein erster Wettbewerb ausgeschrieben, der jedoch zu keiner Entscheidung führte.

Auf Anraten Brunelleschis luden die Bauverweser daraufhin fremde wie toskanische Ingenieure und Baumeister ein, zu überlegen, wie die geplante Kuppel am besten zu errichten sei.

Diese trugen ihre Vorschläge vor. Das Ergebnis machte die Bauverweser angesichts der schwierigen Situation erst recht unschlüssig, ja hilflos.

Im Gegensatz zu B. mangelte es allen anderen Mitbewerbern bei der Vorstellung ihrer Gedanken, an Mut und Überzeugung.

B. Vorschlag, die gewaltige Kuppelwölbung mittels einer doppelten Schale herzustellen hielten die Bauverweser wegen des doppelten Gewichtes für albern und unausführbar auch wegen des Verzichtes auf eine Einrüstung

Wohl hätte B. mit Hilfe eines Modells die Bauverweser und Konsuln überzeugen können, doch er fürchtete deren Wankelmut und den Neid der anderen Baumeister.

Er äußerte sich, daß in Florenz ein jeder Profession daraus macht, in diesen Dingen Kenner zu sein, gleich geübten Meistern, obgleich nur wenige etwas davon verstehen.

Schließlich sei noch der "Streit mit dem Ei" zitiert:

Bauherren von damals waren so vorsichtig und auf Rückversicherung bedacht, wie heutzutage. Schließlich bestimmten sie Brunelleschi 1420 zum Bauaufseher, stellten ihm aber zur eigenen Absicherung dessen Konkurrenten Lorenzo Ghiberti, einen jungen begabten Bidhauer, zur Seite. Nach 6 Jahren gelang es B. sich von diesen zu lösen in dem er eine Krankheit simulierte, und zu Bette lag.

L.Ghiberti mußte nun an seiner statt die Bauleitung ausüben; dieser hingegen hatte nicht den erforderlichen Sachverstand, so daß über einen längeren Zeitraum keine Entscheidungen getroffen wurden und der Baufortgang zum Erliegen kam. Die Maurer und Steinmetze murrten, bangten um ihren Lohn, die Krise nahm ihren Lauf.

Zum Ende der Baukrise kam es erst nachdem die Auftraggeber erkannten, daß es B. Ziel war, allein zu arbeiten. So bestellten sie ihn lebenslang zum Alleinverantwortlichen des Kuppelbaus.

Anstatt eingefahrene Techniken wieder aufzugreifen, nahm B. die Technik der römischen "Art und Weise zu mauern" auf, und zwar den fischgrätenförmigen Mauerverband.

Er hatte erkannt, daß das ringförmige Mauern in Verbindung mit vertikalen Verbundteilen eine wachsende selbsttragende Konstruktion der sich verjüngenden Ringe ergab.

Die Rippen zwischen den Schalen bildeten das konstruktive Gerüst, das alle Druckkräfte auf den Tambour verteilt.

Seine Fähigkeit, selbst schwierigste Aufgaben pragmatisch zu lösen, hatte sich herumgesprochen und seinen Ruhm wachsen lassen.

Er kümmerte sich um alles, was den Baufortgang beschleunigte. Er bemühte sich, Furcht und Zögern der Handwerkern angesichts der gewaltigen Höhe des Bauwerks zu zerstreuen. Er prüfte die Brennereien, in der die Backsteine gestrichen wurden, suchte Erden aus, begutachtete Sandsteine auf ihre Härte und Rissefreiheit und ging in die Schmieden zu den Eisenwerkern.

1434 nach 16 Jahren, war die Kuppel fertiggestellt und wurde eingesegnet. Das Modell der Laterne, des krönenden Kuppelaufsatzes, wurde nach einem Wettbewerb, den B. gewann, angenommen. Die Ausführung wurde 1467 eingeweiht.

Vollendet sah B. die Laterne nicht mehr; er starb mit 69 Jahren 1446. Seine Vaterstadt Florenz trauerte um ihn und ehrt ihn bis heute mehr als zu seinen Lebzeiten.

In der Stadtchronik heißt es:

Seit den Tagen der Griechen und Römer habe es keinen selteneren und herrlicheren Geist gegeben als ihn....

Dem Ideal seiner Zeit, dem allseits gebildeten Menschen, hatte er wohl entsprochen.

Wenn auch die Domkuppel von "Santa Maria del Fiore", in gotischer Rippenkonstruktion, jedoch verkleidet von zwei Schalen, errichtet wurde, so ist sie doch eine Weiterentwicklung der römischen Gewölbebauten und stellt durch Größe und die angewandte Bautechnik eine außergewöhnliche, bisher nicht vorstellbare Ingenieur-leistung dar.

In der Hochrenaissance entstehen gut 100 Jahre später nach dem Vorbild der zweischaligen Rippenkuppel von Florenz weitere Zentralbauten wie z. B.

St. Peter in Rom.(1503 Bramante, 1547-64 Michelangelo, 1588-93 Porta/Fontana)

Die wenigen Fotos zeigen die Außenansicht der Kuppel und den Aufstieg zur Laterne zwischen der inneren und äußeren Kuppelschale. In den Abbildung der Zeichnungen sind die Maße und wichtigsten Konstruktionselemente dargestellt.

Daten zur Baugeschichte und Größe des Domes:

1294 Entwurf und Baubeginn Arnolfo di Cambio

1357 Veränderungen des ursprünglichen Entwurfs Francesco Talenti

1410-1413 Bau des achteckigen Tambours

1418-1434 Bau der Kuppel Filippo Brunelleschi

1438-1467 Bau der Laterne Filippo Brunelleschi

1871-1887 neugotischer Fassadenbau Emilio de Fabries

 

Höhe der Seitenschiffe 41,43 m ü.OKF

Oberkante achteckiger Tambour 54,33 m ü.OKF

Höhe des Tambours 12,00 m

Höhe der Kuppel 33,67 m

Höhe der Laterne 21,00 m

Fuß der Laterne 88,00 m ü.OKF

Kuppel-Durchmesser (achteckig) 42,01/45,55 m

Kugel - Durchmesser 2,33 m