zur Startseite - klick hierOLD TABLERS 46 KARLSRUHE am  5. Feb. 2004

Referat von Olga Linhart

"Ernährung nach fünf Elementen" – was so harmlos klang, erwies sich als spannende Begegnung zweier Kulturen. Olga Linhart hat sicher gewusst, auf was sie sich mit ihrem Vortrag vor lauter abendländisch-wissenschaftlich Denkenden einließ – ist sie nach eigenem Bekunden schließlich selbst eine in ihrer Ausbildung von der klassischen westlichen Schulmedizin geprägte Ärztin.

Nichtsdestoweniger hat sie sich mit Akupunktur beschäftigt und kam so auch in Berührung mit der alten chinesischen Medizin und ihren Erfahrungen.

Ganz anders als in der westlichen Medizin, wo die "Gesundheit" kaum der zentrale Betrachtungsgegenstand ist, der Arzt viel eher erst dann aktiv wird, wenn diese gestört ist – und er sich dann überlegt, woher die Störung genau kommt und wie er ihr begegnen soll – beschäftigt sich die chinesische Medizin mehr mit der Gesundheit. Sie gilt es zu erhalten, als ein Zustand der Harmonie, des Gleichgewichts – nicht unbedingt eines statischen, gerne auch zwischen verschiedenen Polen schwingend. Viel Erfahrungswissen hat sich so angesammelt, auch und gerade in Bezug auf die tägliche Nahrung.

Als hinderlich für den Erfahrungsaustausch erweisen sich – so die Beobachtung des Sekretärs auch an diesem Abend – die Begriffe, die "hüben und drüben" benutzt werden, ohne dass sie in ausreichendem Maße definiert – im Sinne des Wortes "gegeneinander abgegrenzt" – werden.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Für den abendländischen Physiker ist "Energie" ein sehr eng und exakt definierter, durchaus abstrakter Begriff. Mit Sicherheit kann er diese nicht durch seinen Körper "strömen" oder irgendwo darin konzentriert fühlen – und wenn er schon in seinem Körper etwas fühlt, so weiß er doch, dass es nicht das ist, was er mit "Energie" bezeichnet.

Dennoch wird jeder in dem Satz "Voller Tatendrang stürzt er sich auf seine Aufgabe" umgangssprachlich leicht den "Tatendrang" durch "Energie" ersetzen. Man sieht daran aber, wie sehr sich das Gemeinte einer exakten Definition entzieht, auch wenn man eben noch zu wissen glaubte, was man darunter zu verstehen hat.

Ausgerechnet dieser Begriff taucht nun in der Übersetzung der chinesischen medizinischen Lehre auf und meint vermutlich wieder etwas anderes – das mit unseren Worten wohl nur schwer zu fassen ist.

So ist es sicherlich auch unangebracht, wäre wenig hilfreich und würde von dem Gemeinten eher wegführen, die weiteren Begriffe, die Olga bei der Beschreibung der chinesischen Ernährungslehre verwandte, allzu wörtlich übersetzt und allzu streng in der uns gewohnten Bedeutung der Worte zu verstehen.

Es ist hier nicht der Ort, die Ernährungslehre nach den "fünf Elementen" Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, den korrespondierenden Geschmacksrichtungen, den damit erzielten unterschiedlichen Wirkungen auf die Körperflüssigkeiten, den Körperorganen und die Zuordnung zu verschiedenen Tageszeiten en détail auszubreiten. (Olgas Tabellen mit den jeweiligen Entsprechungen finden sich beiliegend.)

An einigen Beispielen wurde plastisch nachvollziehbar, dass die einzelnen Nahrungsmittel so unterschiedliche Eigenschaften haben, dass sich ihre Verwendung zu ganz bestimmten, sehr verschiedenen Situationen anbietet – und man es sich vielleicht ein wenig zu leicht macht, wenn man sie nur eindimensional als Energie- (hier im physikalischen Sinn), Flüssigkeits-, Vitamin- oder Ballaststoff-Lieferanten, zufällig mit mehr oder weniger angenehmen Geschmäcken behaftet, verstehen wollte.

Als besonders beruhigend hat es der Sekretär jedenfalls empfunden, dass ihm Olga sein abendliches Bierchen nicht ausreden wollte, sondern ihm vielmehr auf den Kopf zusagte, dass dieser bittere Stoff genau das ist, was sein gestresster Geist dann eben braucht und was ihm auch gut tut.

An Olga von hier aus nochmals vielen Dank für den anregenden, mutigen Vortrag.