Referat: vor OT 59 Kiel
Fritz Möhlenbeck: "Zur aktuellen Debatte über Hirnforschung und Willensfreiheit"
Fritz berichtete im ersten Teil seines Referats über die neuen Methoden der Hirnforschung und deren Ergebnisse. Im zweiten Teil trug er daraus resultierende Argumente aus Zeitungsartikeln und Büchern von Gegnern und Verteidigern der Existenz von Willensfreiheit vor.
Zur aktuellen Debatte über Hirnforschung und Willensfreiheit
Fast alle Menschen teilen die Erfahrung, einen freien Willen zu besitzen. Sogar die Hirnforscher, die Willensfreiheit für eine Illusion halten, haben nach ihrer Aussage das subjektive Gefühl, frei handeln zu können.
Andererseits gehen wir und auch die Naturwissenschaft davon aus, dass Alles, was geschieht, eine Ursache hat. Das scheint dann aber wiederum auszuschließen, dass es einen freien, nicht-determinierten Willen geben kann.
Zur Verdeutlichung: wenn denn alles, was geschieht, kausal bedingt ist, dann müsste ja auch jede freie Willensentscheidung verursacht sein. Das aber wäre eine logisch in sich widersprüchliche Feststellung! Und wie könnte ein immaterieller Wille ein aus Materie und Energie bestehendes Gehirn umsteuern? Das erscheint obendrein wegen des Grundgesetzes von der Energieerhaltung physikalisch unmöglich zu sein!
Aus der subjektiven "Ich-Perspektive" fühlen wir uns also frei, zu handeln, wie wir wollen. Aus der objektiven Perspektive erscheint die Existenz von Willensfreiheit hingegen als
Unmöglichkeit.
Dieses "Problem der Willensfreiheit" bzw. "Leib / Seele- Problem" hat seit der Antike Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftler beschäftigt.
In den letzten Jahren ist diese uralte Debatte plötzlich wieder hochgekocht mit einer Vielzahl von Büchern, Zeitungs-Artikeln und Leserzuschriften, z. B. in der FAZ. Inzwischen wurde sogar eine kommentierte Sammlung der FAZ-Artikel als Buch mit dem Titel "Hirnforschung u. Willensfreiheit" publiziert ( Suhrkamp-Verlag 10 € ).
Was hat die Leute bewegt, eine solche Vielzahl von Artikeln und Leserbriefen zu schreiben? Vielleicht liegt es daran, dass hier eine weitere Kränkung des menschlichen Selbstverständnisses vorliegt! Nach der Kränkung durch Kopernikus ( statt der Erde steht die Sonne im Zentrum), nach Darwin ( der Mensch stammt vom Tier ab ), nach Freud ( salopp gesagt: der Mensch ist Produkt seiner im Unterbewussten lauernden Triebe ):
ist nun - neurobiologisch nachgewiesen - auch noch der freie Wille eine Illusion ?
Hirnforschung ( Neurowissenschaften ) untersucht die anatomische Struktur und die Funktionen des Gehirns. Einfach gebaute Gehirne finden sich bereits bei Würmern. Bei den Wirbeltieren wird mit Ausbildung des Großhirns die größte Differenzierung erreicht. Die
Großhirnrinde ist dabei das höchste Integrationsorgan.
Unser Gehirn, eine riesiges, komplexes, vernetztes System, besteht aus 100 Milliarden Nervenzellen. Jede davon hat über Synapsen Kontakt mit jeweils etwa 10.000 - 20.000 anderen Nervenzellen. Dabei "unterhält" sich das Gehirn überwiegend mit sich selbst: 90% aller Signale laufen von Hirnzelle zu Hirnzelle. Nur 10 % kommen über die Sinnesorgane von außerhalb oder gehen nach draußen.
Welche Untersuchungsverfahren werden angewendet?
Anatomische Strukturen wie Nervenzellen ( Neuronen ) und Synapsen lassen sich licht- oder elektronenmikroskopisch untersuchen. Mit biochemischen und physiologischen Verfahren wurde geklärt, was auf molekularer Ebene und bei der Übertragung von Signalen im Detail abläuft. Wichtige Erkenntnisse stammen aus der Korrelation verletzungs- oder krankheitsbedingter Hirndefekte mit den zugehörigen Störungen der Wahrnehmung oder des Verhaltens. Beispiele: Lähmung nach Schlaganfall, Gesichtsfeldausfall nach Hirnverletzung, schwere Persönlichkeitsveränderung bei Tumor im Stirnhirn. Bei Schizophrenie fühlt sich der Kranke nicht mehr frei, sondern "gelenkt". Das halluzinierende Gehirn erzeugt dabei abnorme Aktivitätsmuster, die vom Patienten als von außen kommende Befehle wahrgenommen werden.
Was messen und sehen Neurowissenschafter, wenn ein Proband mit vielen an der Kopfhaut befestigten Kabeln in einer Tomographie-"Röhre" liegt?
Im Elektroenzephalogramm ( EEG ) werden Hirnströme mit bis zu 100 Elektroden abgeleitet und ausgewertet: in Echtzeit, aber mit nicht sehr guter räumlicher Auflösung.
In der funktionellen Kernspin-Tomographie sieht man etwa 4 Sekunden nach Aktivierung eines Hirnareals die zugehörige Weitstellung der Gefäße mit Anreicherung von Sauerstoff-reichem Blut als räumlich hochauflösendes Bild.
Magnetenzephalographie: ein optischer Reiz z.B. gelangt vom Auge über den Sehnerven in
ein Hirnareal am Hinterkopf. Beim Erkennen des Reizes fließt ein winziger Strom, der wie jeder elektrische Strom von einem Magnetfeld begleitet ist. Sensoren messen diese Magnetfeld-Änderungen. Wo die durch den optischen Reiz ausgelösten Hirnströme fließen, lässt sich damit in Echtzeit räumlich abbilden.
Die Kombination dieser Verfahren eliminiert Nachteile der einzelnen Methoden :
die schlechte räumliche Auflösung des EEG lässt sich mit dem hochauflösendem Kernspin- Bild kompensieren, die Zeitverzögerung bei der Kernspin-Tomographie durch das in Echtzeit arbeitende EEG aufheben.
Was ist zwischen Gegnern und Befürwortern der Willensfreiheit unstrittig?
- Wahrnehmung, Bewusstsein und Ichbewusstsein, Denken, Emotionen, sprachliche
Kommunikation, freier Wille - wenn es ihn denn gibt -: alle setzen ein funktionierendes
Gehirn voraus.
- Weitgehend unstrittig sind auch folgende Ergebnisse der Hirnforschung:.
Auf der makroskopischen Ebene:
Das Gehirn besteht aus zwei Hälften. Unterschieden werden Großhirn mit Großhirnrinde, Zwischenhirn ( Thalamus ), Stammhirn, Kleinhirn etc. Verschiedene Hirnregionen der beiden Gehirnhälften sind spezialisiert für verschiedene Leistungen, z.B. als Sprachzentren, motorische Zentren, Sehzentrum, usw.
Auf der funktionellen Ebene:
Informationen werden im Gehirn gespeichert.
- das Kurzzeitgedächtnis kann eine siebenstellige Telefonnummer oder bis etwa
vier verschiedene parallele kürzere Informationen verarbeiten.
- das Langzeit- oder episodische Gedächtnis enthält Ereignisse zusammen mit dem Kontext,
in dem sie auftraten
- das deklaratorische Gedächtnis speichert sprachlich gefasste, symbolisch kodierte und
syntaktisch verknüpfte Inhalte.
Die Speicherung aller Inhalte erfolgt in Engrammen weit verteilt über die Großhirnrinde.
Die Konsolidierung ( Festschreibung ) dieser Engramme läuft über Monate bis Jahre.
Wie funktioniert die Speicherung?
Auf molekularer u. mikroskopischer Ebene passiert dabei Folgendes:
Jede Wahrnehmung, jede Information, jedes Lernen führt zu einer Veränderung der
Verschaltung der Verbindungen zwischen den Gehirnzellen:
- auf molekularer Ebene wird die funktionelle Effizienz der Signalübertragung erhöht.
- auf mikroskopisch sichtbarer Ebene kann die Kontaktfläche der Synapsen vergrößert oder
die Zahl der Synapsen vermehrt werden.
- nicht mehr benötigte Verbindungen werden wieder abgebaut.
Zurück zur Frage, was die Wissenschaftler messen und sogar sehen:
sie messen Hirnströme und sehen auf dem Bildschirm, wo genau und in welcher zeitlichen
Abfolge Aktivität stattfindet. Ein Beispiel:
Probanden wird visuell ein Objekt oder eine Szene dargeboten, z.B. eine dampfende Kaffeetasse. Die Erregung läuft von der Netzhaut über den Sehnerven zum Thalamus, von dort zur primären und sekundären Hirnrinde und weiter zu den assoziativen Seharealen, dann wieder zurück zur primären Sehrinde: bis dann die Person schließlich das Objekt bewusst wahrnimmt und sich verbal dazu äußert oder motorisch reagiert. Parallel dazu laufen
andere unbewusste Prozesse im limbischen System, den Basalganglien und der Hirnrinde ab: bis die Person den Willensentschluss erlebt und nach der angebotenen Kaffeetasse greift.
An derartigen Aktivitätsmustern kann man inzwischen sogar ablesen, ob eine Versuchsperson spricht, ob sie zuhört, ob sie etwas sieht oder sich ein Bild nur vorstellt, ob sie Aggression, Ekel oder Mitleid empfindet. Was man bisher nicht erkennen kann, sind semantische Inhalte, ob also jemand ein Gedicht oder die Bildzeitung liest, ob er über Fußball oder Politik redet.
Gehirn und Evolution:
Das Gehirn ist Ergebnis der Evolution. Diese hat über zufällige Mutationen und Wettbewerb
Hirnstrukturen hervorgebracht, mit denen sich Lebewesen in ihrem Biotop behaupten
konnten. Nur um dieses sich Behaupten ging es, nicht darum, eine möglichst objektive
Beurteilung der Welt zu garantieren.
Von daher rühren einige "Haken und Ösen":
- Unsere Sinnessysteme wählen aus einem breiten Spektrum nur wenige Signale aus, eben
die bisher überlebenswichtigen. Aus diesen wird ein Bild der Welt zusammengesetzt. Ist
das Bild nicht ganz stimmig, werden verbleibende Lücken anhand von im Erbgut
vorhandenem oder im Leben erworbenen Wissen "nachgebessert".
- Der Zugang zum Bewusstsein ist beschränkt: über "selektive Aufmerksamkeit" werden
die Signale ausgewählt, die zu bewusster Verarbeitung gelangen sollen. Nur diese sind
später erinnerbar.
Aber: Über die Sinne gelangen weit mehr Signale ins Gehirn, als uns bewusst wird.
Auch von diesen werden viele bearbeitet, geordnet und gespeichert, ohne dass wir das
merken; sogar, während wir schlafen.
- Unsere Motive werden deshalb nicht nur durch die bewussten, sondern auch durch die
unbewusst gespeicherten Inhalte beeinflusst! Niemand kann somit eine lückenlose
Kontrolle über seine Motive für eine Handlung haben!
- Menschen haben das unwiderstehliche Bedürfnis, Ursachen und Begründungen zu
finden für das, was sie tun. Entsprechend werden ggf. Motive nachkonstruiert,
ohne dass man erkennt, dass diese nachträgliche Begründung unzutreffend sein kann.
- Auf diesem Bedürfnis nach Ursachen und nachvollziehbaren Gründen beruht auch
unsere fast zwanghafte Tendenz, zeitliches Zusammentreffen als Kausalbeziehung zu
deuten: "weil ich vorhin Muscheln gegessen habe, fühle ich mich jetzt schlecht".
Aus Sicht der Evolution macht das Sinn: oft stimmen zeitlicher und kausaler
Zusammenhang überein, aber manchmal eben auch nicht!
Gedächtnis-Inhalte:
Gedächtnisinhalte ( Engramme ) werden in neuronalen Speichern abgelegt. Die Inhalte sind repräsentiert als dynamischer Zustand miteinander vernetzter Zellverbände, weit über das Gehirn verteilt.
Die beiden Sätze Fachchinesisch etwas verdeutlicht:
Einzelne Gedächtnisinhalte sind im Gehirn auf viele Stellen verteilt gespeichert, etwa so wie auf einer stark fragmentierten Computer-Festplatte. Aber anders als im Computer gibt es keine adressierbaren Speicherplätze, und es wird immer automatisch der Zusammenhang mitgeliefert, in dem der Gedächtnisinhalt entstand. Ruft man eine bewusst gespeicherte Erinnerung auf, sieht man über das ganze Gehirn verteilt synchrone elektrische Potentiale auftauchen. In diesem Gesamtbild von Potentialen zusammengeschalteter Neuronengruppen ist der spezielle Gedächtnisinhalt enthalten.
Auch hier gibt es einen "Haken":
Tiere lernen, dass eine bestimmte Erkenntnisleistung belohnt wird ( z.B. Trüffelschwein,
Rauschgiftsuchhund ). Sie erinnern diesen Zusammenhang problemlos über Monate, wie im Test nachweisbar. Blockiert man direkt nach einem solchen Erinnerungstest die Eiweißsynthese kurzzeitig durch ein Medikament, wird jede Erinnerung an das Erlernte gelöscht. Gibt man aber das Medikament ohne vorausgehenden Erinnerungstest, bleibt die Erinnerung voll erhalten.
Was folgt daraus? Durch den Erinnerungsakt wird der Inhalt der Erinnerung wieder labil.
Er muss neu konsolidiert werden und ist beim Neueinschreiben manchmal nicht mehr voll identisch mit dem ursprünglichen Inhalt. Auch der kontextuelle Zusammenhang der Erinnerung kann dabei verloren gehen. Man weiß dann etwas, kann sich aber nicht mehr erinnern, in welchem Zusammenhang man es erfahren hat.
Nach jedem Erinnern können also die Struktur und die kontextuelle Einbettung der Erinnerung verändert sein – mit entsprechenden Konsequenzen für Zeugenaussagen vor Gericht, oder in den Geschichtswissenschaften, oder beim Schreiben von Autobiographien.
Wo sitzt das "Ich", der Betrachter des im Gehirn ablaufenden Films, die Kommandozentrale?
Der Philosoph Descartes nahm dafür irrtümlich die Zirbeldrüse des Gehirns an. Es gibt aber keine spezielle Lokalisation! Wenn man das "Ich" überhaupt verorten will, ist es über das gesamte Gehirn verteilt, also eine nicht-lokalisierbare Leistung des Gesamtgehirns.
Was ist bisher ungeklärt?
Das neuronale Korrelat für Bewusstsein konnte bisher nicht identifiziert werden. Sicher scheint: es gibt dafür nicht ein Zentrum, sondern es handelt sich um einen über das ganze Gehirn verteilten Zustand. Unklar ist weiterhin, wie die Gehirn - Inhalte organisiert sind und miteinander koordiniert werden. Hier laufen die aktuellen Forschungen.
Das Libet – Experiment
Nun zu dem Experiment, das wohl den stärksten Anstoß zu der hitzigen Diskussion gab.
Es wurde in der zweiten Hälfte der 80er Jahre von Benjamin Libet durchgeführt, später von anderen Untersuchern verbessert reproduziert. Libet wollte experimentell die Existenz der Willensfreiheit aufzeigen. Er untersuchte dafür das willkürliche Auslösen von Körperbewegungen. Er erwartete, dass ein "Willensruck" am Anfang der Prozesse im Gehirn steht, wurde jedoch enttäuscht!
Die Testpersonen wurden aufgefordert, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine Armbewegung spontan einzuleiten. Sobald sie die Entscheidung oder den Willen dazu wahrnahmen, sollten sie diesen Zeitpunkt sofort zu Protokoll geben; Hirnströme und Muskelaktivierung wurden dabei zeitgenau gemessen. Es ergab sich das hier im Bild zu sehende, unerwartete Ergebnis:
unbewusstes Bewusstwerden Muskel-
Bereitschafts- -------------------→ der Willens- -------------→ Reaktion
Potential im 350 ms Entscheidung 150 ms
Gehirn
Die die Armbewegung steuernden Nervenzellen der Hirnrinde beginnen 500 ms vor der Muskelaktivierung zu feuern. Die bewusst getroffene Entscheidung "jetzt will ich" wird 150 ms vor Muskelaktivierung, somit aber erst 350 ms nach dem unbewussten Aufbau des Hirn-Bereitschaftspotentials wahrgenommen.
Erst kommt der unbewusste Aufbau des die ganze Aktion steuernden Gehirnpotentials, dann erst das Bewusstwerden der "freien" Entscheidung, danach die Muskelreaktion.
Nun muss ein Akt der Willensfreiheit notwendigerweise bewusst getroffen werden, sonst ist er nicht frei. Im Koma, Schlaf oder Narkose gibt es keine freie Willensentscheidung!
Das Libet - Experiment zeigt zweifelsfrei, dass der Prozess schon eine ganze Zeit vor dem Bewusstwerden der Willensentscheidung begonnen hat. Macht es da noch Sinn, von freiem Willen zu reden? Es scheint, dass wir nicht das tun, was wir wollen, sondern als wollten wir im Nachhinein das, was wir tun.
Der subjektiv freie Wille wäre dann entweder ein wirkungsloses Epiphänomen, also Begleiterscheinung, Nebeneffekt, oder er hätte eine ganz anders zu deutende Funktion als "Wollen", z.B. in Zusammenhang mit der Selbstzuschreibung einer Handlung.
Dem Libet - Experiment stelle ich eine andere wissenschaftliche Untersuchung gegenüber, aus fast genau dem Jahr, als Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlichte.
Ein amerikanischer Arzt hat damals das Körpergewicht von sterbenden Patienten direkt vor und nach Eintritt des Todes gemessen - das Patientenbett stand dafür auf einer genau arbeitenden Waage. Ergebnis: nach der etwas Zeit brauchenden Feststellung der damals verfügbaren Todeszeichen von Herz- u. Atemstillstand, Reflexlosigkeit und Pupillenstarre betrug das Körpergewicht im Durchschnitt 12 g weniger als beim noch lebenden Patienten. Die Schlussfolgerung aus dieser Untersuchung: das Gewicht der Seele, die beim Todeseintritt den Körper verlässt, beträgt annähernd 12 g.
Ohne die Korrektheit der Messungen zu bezweifeln, haben wir wohl alle ein Problem, diese Deutung der Messergebnisse zu übernehmen.
Auch in der Debatte betreffend die Existenz oder Nichtexistenz der Willensfreiheit geht es fast nur noch um die Deutung der Ergebnisse der neurobiologischen Untersuchungen. Also darum, welche Schlussfolgerungen man aus ihnen ziehen kann und darf und welche nicht. Die wissenschaftlichen Daten selbst sind hingegen weitgehend unstrittig.
Die verschiedensten Fachrichtungen haben sich zu Wort gemeldet: Neurobiologen, Neurologen und Psychiater, Psychologen, Rechts-, Geschichts- und Literaturwissenschaftler, Mathematiker, Theologen und Philosophen.
Vor der Darstellung der Debatte zwei Vorbemerkungen:
- Aus Zeitgründen kann nur eine Auswahl der Argumente wiedergegeben werden.
- Betreffend den freien Willen gibt es verschiedene Lesarten:
a) die starke: wir könnten als Individuen beliebig Kausalketten in Gang setzen.
Das wird von fast keinem Wissenschaftler oder Philosophen mehr vertreten.
b) eine mittlere Variante: Willensfreiheit bedeutet, in einem gegebenen Rahmen von
äußeren und inneren Vorbedingungen gemäß seinen Überzeugungen und Wünschen
entscheiden und handeln zu können.
c) die schwache Lesart: wer sich für eine bestimmte Handlung entscheidet, hätte auch
anders entscheiden und handeln können ( z.B. stehlen oder nicht stehlen ).
Ich beginne mit zwei Gegnern der Existenz von Willensfreiheit, die diese Seite der Debatte zumindest in Deutschland dominieren.
Gerhard Roth, Prof. für Verhaltensphysiologie an der Uni Bremen, hat keinen Zweifel daran, dass wir determiniert sind und der freie Wille eine Illusion sei. Seine Argumente:
1. Das Ergebnis des Libet - Experiments ist in einer größeren Zahl verschiedenartiger Untersuchungen immer wieder bestätigt worden. Unbewusst ablaufende Hirn-Aktionen führen zu handlungsvorbereitenden Prozessen. Diese bringen danach das bewusste Gefühl "ich will jetzt das tun" hervor.
2. Auf das Bereitschaftspotential folgen stets voraussagbare bestimmte Bewegungen.
3. Mit kurzen elektrischen Reizen direkt im Gehirn oder von außen durch Magnetstimulation kann man eine Person dazu bringen, etwas zu tun, was sie danach als zuvor von ihr gewollt bezeichnet.
Den Vorwurf der Kritiker, die Libet- Experimente seien generell nicht stichhaltig, weist Roth zurück. Vielmehr fügten sich deren Ergebnisse nahtlos in eine Fülle weiterer Erkenntnisse hinsichtlich der Prozesse ein, die im Gehirn vor Handlungen ablaufen, danach dann als willentlich selbst verursacht bezeichnet werden.
Zweiter kritischer Einwand: naturwissenschaftliche Experimente könnten grundsätzlich nichts über menschliches Handeln aussagen: Erklärungen menschlichen Handelns bezögen sich auf Gründe, nicht aber auf kausale Ursachen. Roth antwortet: das Erwägen von Gründen und Treffen von Entscheidungen sei durch neuronale Gehirnprozesse realisiert. Bei Gründen und kausalen Ursachen handele es sich erkenntnistheoretisch um zwei Seiten desselben deterministischen Gesamtprozesses. Zwischen neuronalen und geistigen Prozessen herrsche keineswegs nur strikte Parallelität. Statt dessen gingen dem bewussten Erleben mentaler Phänomene notwendig und hinreichend unbewusste neuronale Geschehnisse voraus.
Der dritte häufige Vorwurf: die kritisierten Hirnforscher begingen einen schlimmen Kategorienfehler; sie schrieben dem Gehirn Fähigkeiten zu, die nur dem " Ich" als Subjekt zukämen. Es sei eine unzulässige Vermischung der Beschreibungsebenen, aus der objektiven naturwissenschaftlichen Perspektive einerseits und der subjektiven Ich-Perspektive andererseits zu sagen, die Hirnrinde von Herrn Schmidt habe sich in Fräulein Meier verliebt. Eine derartige Vermischung der Sprachebenen führe weder zu einer richtigen noch zu einer falschen Aussage, sondern sei schlicht sinnlos und absurd.
Roth stimmt zu, dass der Satz über Herrn Schmidt unglücklich formuliert ist und zu recht kritisiert wird. Tatsächlich ließen sich aber Sachverhalte, die Willensentscheidungen beträfen, auch ausschließlich in der objektiven Perspektive darstellen. Die subjektive Beschreibungs- ebene benötige man dafür gar nicht. Damit entfiele jeder Kategorienfehler, also die Vermischung verschiedener Beschreibungsebenen. Wenn man jemanden vor zwei Türen einen Moment verharren und dann durch die linke Tür gehen sehe, dabei die Vorgänge im Gehirn aufzeichne, scheine ihm der Satz "Nicht das Ich, sondern das Gehirn habe entschieden" korrekt zu sein; denn eine "Entscheidung treffen" sei ein Vorgang, dessen Auftreten objektiv überprüfbar sei.
Den Vertretern der These, es gäbe neben dem Gehirn ein immaterielles Bewusstsein, das sich genau in dem Moment mit den Gehirnzuständen verbindet, in welchem sich die Hirnprozesse für eine Entscheidung organisiert haben, entgegnet er: der hinzueilende Geist füge offenbar nichts an Wirkung hinzu und wäre dann nur ein Epiphänomen, also nur Begleiterscheinung.
Wolf Singer, Prof. für Neurophysiologie in Franfurt, argumentiert ähnlich.
Einerseits gibt es Phänomene, die erst durch Selbsterfahrung, durch unser Erleben in die Welt kommen: wie Glück, Leid, moralische Urteile, ethische Werte, Verantwortung und das Gefühl, einen freien Willen zu haben. Wir erleben sie als zweifelsfreie Realitäten, so real wie die dingliche Welt.
Wir können aber derartig subjektiv Erlebtes, wie z.B. Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern, Bewerten, Planen, Entscheiden und die Fähigkeit zu Emotionen neurobiologisch auch auf der "objektiven" Ebene untersuchen und beschreiben.
Man sage dann, diese Verhaltensweisen seien "emergente" Eigenschaften neuronaler Prozesse. Damit wird ausgedrückt, dass physikochemische Prozesse in den Nervennetzen zwar nicht gleichzusetzen sind mit Verhaltensweisen, dass diese aber dennoch kausal erklärbar aus ihnen hervorgehen.
Wir haben also im Lauf unserer evolutionären und kulturellen Geschichte zwei parallele Beschreibungsweisen, zwei uns gleichermaßen überzeugende Menschenbilder entwickelt. Leider seien sie aber nicht kompatibel ,sondern miteinander unvereinbar!
Singer ist wie Roth mit den dort schon vorgetragenen Argumenten überzeugt, dass wir keinen freien Willen besitzen. Er führt darüber hinaus Hypothesen auf, wie es zur Entwicklung von Bewusstsein und zur Illusion des freien Willens gekommen sein könnte:
Liefert die Evolution einen Anhalt , an welcher Stelle ein Entwicklungssprung zu mentalen Phänomenen wie Bewusstsein aufgetreten sein könnte?
Seit Klärung des menschlichen Genoms steht fest, dass dessen Bausteine weitgehend unverändert geblieben sind: Nervenzellen bei Schnecke und Mensch arbeiten praktisch identisch. Auch die Entwicklung von Hirnstrukturen zeigt große Monotonie: Gehirngewebe von Ratte und Mensch sind mikroskopisch kaum unterscheidbar. Menschen haben nur mehr davon, insbesondere mehr Großhirnrinde. Die bei höheren Säugetieren, Menschenaffen und Mensch hinzugekommen neueren Hirnanteile verarbeiten mit denselben alten Mechanismen die Signale entwicklungsgeschichtlich älterer Gehirnanteile – und das macht 90 % ihrer Tätigkeit aus. Sie analysieren also Wahrnehmungsprozesse anderer Gehirnteile. Hypothese: an diesem Punkt der evolutionären Entwicklung könnte das Bewusstsein entstanden sein.
( Salopp: das Gehirn beguckt seither vorwiegend sich selbst ).
Wie könnte sich in der Evolution das Ich-Bewusstsein entwickelt haben?
Hypothese: über soziale Interaktion mit "Spiegelungsprozessen" im Gehirn: " Ich weiß, das Du weißt, was ich empfinde". Erst diese Spiegelung im eigenen Gehirn von dem, was der andere denkt, liefere die Voraussetzung für ich-bewusste, dialogfähige Gehirne. Das können nur der Mensch und vielleicht die großen Menschenaffen.
Woher könnte die subjektive Erfahrung stammen, einen freien Willen zu haben?
- Aus der Trennung der unbewussten von den bewussten Gehirninhalten! Unbewusste, aber
Entscheidungen wesentlich mitbestimmende Motive bleiben uns verborgen. Die Masse
unbewusster neuronaler Inhalte bereitet Entscheidungen jedoch weitgehend vor. Nur
bewusste Inhalte werden abgewogen. Die endgültige Entscheidung fällt als Gesamtresultat
aus bewussten und unbewussten Motiven. Von uns wird sie aber nur den bewussten
Argumenten statt dem gesamten Prozess zugeschrieben. Die Erfahrung, frei zu sein, bleibe
deshalb für uns widerspruchsfrei.
- Die Erfahrung des freien Willens rühre weiterhin her aus der Zuschreibung von Freiheit
und Verantwortung durch andere Menschen. Eltern sagen Kleinkindern dauernd, sie sollten
dieses tun oder jenes lassen. Von Beginn an wird suggeriert, man sei frei in seinen
Entscheidungen, wenn man nur das Richtige wolle. Kleine Kinder wissen nicht, woher sie
etwas wissen. Dieses frühest erworbene Wissen erscheint deshalb absolut und genauso
unhinterfragbar wie unser angeborenen Regelwerk zur Strukturierung unserer
Wahrnehmungen, Denkvorgänge, Entscheidungen und Handlungen.
So komme es, dass nicht nur das angeborene, sondern auch ein Teil des tradierten Kultur-
wissens den Status einer unumstößlichen Überzeugung erhält: z. B. von der Existenz eines
freien Willens, von Wertsystemen oder religiösen Vorstellungen.
Zusammengefasst: wir haben die Illusion, frei zu sein, weil wir erstens nur den
bewusst abgewogenen Teil mitbekommen, aber nichts über die für die Entscheidung
mindestens genauso wichtigen unbewussten Prozesse wissen können; weil wir zweitens
seit frühester Jugend konditioniert werden, uns für frei zu halten, und drittens, weil wir
sehen, dass alle anderen Leute sich selbst und uns auch für frei halten.
Warum hat die Evolution Gehirne hervorgebracht, die über zwei Ebenen verfügen: die unbewusste und die bewusste Entscheidungsebene?
Unbewusste Abwägung, basierend auf kompetitiven Regeln für Gehirnpotentiale, ist einfach, schnell und unanfällig für Störungen. Salopp ausgedrückt: "das größte Hirnpotential , der stärkste Attraktor gewinnt. Kein Zeitverlust durch Überlegen, vollautomatischer Ablauf".
Der Gewinn der bewussten Ebene ist, Wahrnehmungen und Überlegungen mitteilen zu können. Und das ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung und Stabilisierung sozialer Systeme. Verantwortung von Entscheidungen wird zuschreibbar und Sanktionen für Unerwünschtes werden möglich. Ein bewusster, rationaler Entscheidungsprozess lässt sich obendrein viel differenzierter gestalten!
Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Beide nebeneinander zu verwenden, scheint die beste Garantie für Überleben und Produzieren von Nachkommen geliefert zu haben.
Die aktuelle Forschung befasst sich mit der noch nicht geklärten Frage:
Wie koordiniert das Gehirn seine unendlich vielen parallel laufenden Aktivitäten, wenn es keine zentrale Kommandostelle gibt?
Arbeitshypothese: die parallelen Prozesse organisieren sich selbst. Präzise zeitliche Synchronisation elektrischer Potentiale dient dabei als Code für die Zusammengehörigkeit neuronaler Antworten. Das neuronale Korrelat eines Wahrnehmungsinhaltes oder einer Entscheidung wäre dann ein raumzeitliches Muster aktiver Nervenzellen, das sich über hinreichend lange Zeit stabilisiert, um entscheidungsrelevant oder gar bewusst zu werden.
Singer und Roth nehmen auch zum Strafrecht Stellung:
das Strafrecht geht davon aus, dass wir fähig sind, unsere Entscheidungen von vernünftigen Erwägungen und von uns bekannten Rechtsnormen abhängig zu machen, und dass wir somit für unsere Taten verantwortlich sind. Es unterstellt, dass wir jeweils auch anders hätten handeln können. Singer argumentiert dazu:
Eine Person begeht bei anscheinend klarem Bewusstsein eine Straftat und wird entsprechend für voll verantwortlich erklärt. Zufällig wird dann ein Tumor im für das Abrufen erlernter sozialer Regeln zuständigen Frontalhirn entdeckt. Dieser Person wird Nachsicht zuteil.
Aber auch für alle anderen neuronalen Ursachen einer Tat gelte: keiner kann anders als er ist. Jemandem eine subjektive Schuld zuzuschreiben, sei deshalb nicht korrekt.
Daraus sei jedoch nicht zu folgern, dass Straftaten nicht mit Sanktionen belegt werden sollten.
Ihre Androhung würde ja durchaus wahrgenommen und neuronal gespeichert, was wiederum bewusst und unbewusst Entscheidungen beeinflusse. ( Genau wie bei Kinder- Erziehung: wenn man nicht an die Möglichkeit einer Determinierung durch Erziehung glauben würde, könne man es ja gleich lassen! )
Wegen des Wegfalls jeder subjektiven Schuld wäre aber bei Straftätern eine vorurteilsfreiere, humanere, weniger diskriminierende Beurteilung angezeigt. Sie sollte vorwiegend auf Bezahlen des angerichteten Schadens abstellen.
Nun zu den Argumenten der Befürworter der Existenz von Willensfreiheit
1. Kritik der Libet - Experimente:
- Libets Experiment sage nichts über Willensfreiheit aus, weil es überhaupt keine
rationalen oder emotionalen Entscheidungsgründe für oder gegen das Heben des einen oder
anderen Arms gibt. Wenn sich der Proband für die Seite entscheide, die zuerst zuckt, liege
das daran, dass er im Versuch nur als Zufallsgenerator fungiere.
- Die Zeitangabe über das Auftreten der Handlungsabsicht sage nur etwas darüber aus,
wann eine bereits bei Einführung in den Versuchsablauf gebildete Intention
motorisch handlungswirksam wird. "Jetzt den Knopf drücken" zu wollen sei nur der
letzte Exekutiv-Akt, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtkomplex von
vorgeplanter Entscheidung und Ausführung.
- Libets Experiment lege nahe, dass die unmittelbare Steuerung einer Teilklasse von
Handlungen unbewusst erfolgt: so wie die Reaktion des Torhüters beim Elfmeterschuss..
Das sind ausschließlich die Handlungen mit maximal einigen Sekunden Abstand zwischen
Absicht und Ausführung. Daraus folge aber nicht, dass dies zwingend für alle Handlungen
gelte, und schon gar nicht, dass damit die Nichtexistenz von Willensfreiheit generell
bewiesen sei.
- Alle alltags-relevanten Absichten haben einen viel größeren Abstand zur Handlung und sind
viel allgemeiner, nicht nur auf eine Muskelreaktion bezogen. Man denke an den Zeit-
horizont bei Berufswahl oder an ein über lange Zeit geplantes Verbrechen. Armheben sei
etwas anderes als Partnerwahl!
- Wenn eine Entscheidung stärker durch unbewusste emotionale Vorerfahrungen als durch
bewusste rationale Erwägungen begründet sein sollte, sei das kein Beweis für die
Nichtexistenz von Willensfreiheit. Gerechtfertigt sei allenfalls der Schluss, dass wir nicht
beliebig freie Entscheidungen treffen, sondern dass unbewusste Vorerfahrungen einen
Rahmen abstecken, innerhalb dessen freie Entscheidungen möglich seien.
- Zwischen Wahrnehmung des bewussten Willensentschlusses und der Muskelaktivierung
bleibt ein Schlupfloch von 150 ms für ein Veto. Beispiel: das Bereitschaftspotential für
einen Kaufhausdiebstahl hat sich konsolidiert. Mir wird danach meine Entscheidung zum
Stehlen bewusst. Ich merke gleichzeitig, dass jemand zusieht und blockiere den Griff ins
Regal. Womit bewiesen wäre, dass ich doch anders handeln könne, als neuronal
determiniert!
Eine Rückblende, was Hirnforscher entgegnen würden. Das Libet Experiment füge sich nahtlos ein in eine Fülle von Untersuchungen, die alle nahe legten, dass Willensfreiheit eine Illusion sei.
2. Allgemeinere kritische Argumente:
- die neuen bildgebenden Verfahren berücksichtigten fast nur Orte und Vorgänge mit
maximaler Hirnaktivität. Ignoriert würde, dass das Gehirn als Gesamtes tätig ist. Es
würden also nur Teilaspekte herausgegriffen, deren Einordnung man nicht kenne.
Seit wann aber sage der das Wichtigste, der am lautesten spricht?
- wie aus der Quantentheorie bekannt, greift jede Beobachtung in das Geschehen ein.
Für Versuche würden Tiere z.B. über Wochen und Monate trainiert. Die Tiere passen sich
entsprechend an. Das führe zu Messungen in einer hoch künstlichen Situation, vergleichbar
einem Klavierspieler mit Messelektroden am Kopf, festgeschnallt am Hocker. Für jeden
Ton gibt es zur Belohnung einen Schluck Wasser. Es sei aus vielen Beobachtungen aber
gerade anzunehmen, dass das Gehirn unter Randbedingungen arbeite, die leicht störbar
seien.
- alle Experimente zielten auf zu einfache Situationen, um die viel komplizierteren
Sachverhalte zu klären. Sie seien schematisch ausgelegt, weil sie sonst nicht auswertbar
seien. Vermutlich stehe dahinter die Überzeugung, es gebe einen einfachen Zugang zum
Gehirn, eine Art Urformel. Gerade das sei aber nicht anzunehmen.
- vom Philosophen Popper u. dem Neurologen Eccles: wie will man dem Geistigen die
Fähigkeit zum Eingreifen absprechen, wo doch bewusste Rationalität ein so wichtiger und
kostspieliger, aus der Evolution stammender Teil unsere Lebens ist. Eine Phänotyp dieser
Größenordnung wie den Blinddarm einzuschätzen, sei unvernünftig!
- In allen Experimenten, auch dem von Libet, werde zielgerichtetes Verhalten untersucht.
Autonomes Verhalten hingegen würde durch die Einweisung in das Experiment
vernachlässigt oder in zielgerichtetes umgepolt. Zum autonomen Bereich gehört z.B.
kreatives Verhalten, wie Erfindungen oder das Schreiben einer Symphonie. Unbekannt ist,
woher dieses Neue kommt. Dafür müssten erst einmal Begriffe und Hypothesen formuliert
werden. Die Hirnforscher sähen zwar mit teuren Maschinen ins Gehirn. Doch sie wüssten
noch gar nicht, wonach sie in der Aktivität der Milliarden Neuronen suchen sollen.
Was könnten Hirnforscher auf all diese überwiegend technisch ausgerichteten Argumente antworten?
"Bitte ein bisschen Geduld, wir arbeiten ja daran!", könnten sie sagen. Vom religiös-mysthischen mittelalterlichen Bild der Welt habe es über Galileo, Kopernikus, Newton und Einstein bis zum heutigen Stand auch etwas Zeit gebraucht. Zugegeben, es gebe noch viel zu tun. Aber zumindest so obsolet wie die Existenz des einstmals angenommenen Äthers sei nach heutiger neurobiologischer Erkenntnis die Existenz eines freien Willens.
Was sagt Libet selbst 20 Jahre nach seinen Experimenten?
Den Vorwurf des Reduktionismus weist er zurück. Auch die elektrische Ladung des Elektrons
sei am isolierten Elektron gemessen worden, gelte aber für jedes Elektron im Universum.
Bei vollständiger Determination durch Naturgesetze wären wir, genauso wie bei einem von Gott auferlegten unausweichlichem Schicksal, nichts als raffinierte Automaten.
Gefühle, Intentionen usw. wären nichts als Epiphänomene. Ist das aber bewiesen?, fragt er und antwortet:
Die Annahme, dass deterministische Naturgesetze Subjektives wie den freien Willen erklären könnten, sei spekulativer Glaube, keine wissenschaftlich bewiesene Tatsache. Die Gegenposition, es gäbe Wirkungen, die nicht mit den bekannten Gesetzen der Physik übereinstimmten, sei genauso spekulativ.
Die universale Erfahrung von Willensfreiheit solle aber als prima facie - Beleg genommen werden. Eine Theorie, die das leugne, erscheine ihm weniger attraktiv als eine Theorie, die dieses Phänomen akzeptiert und sich daran anpasst. Sie sei die wissenschaftlich bessere Option.
Eine Rolle für den freien Willen sieht er in der Ausübung des Vetorechts in den 150 ms zwischen Bewusstwerden des Willens und Handlung. Unbewusste Intentionen "sprudeln" im Gehirn hoch, entsprechende Bereitschaftspotentiale bauen sich auf. Aber der freie Wille entscheide, ob die vorbereite Handlung zugelassen oder doch nicht durchgeführt wird. Dem folgten auch die biblischen Gebote mit ihrem ganz überwiegenden " Du sollst nicht ..."
Das quantenphysikalische Argument:
Mit der Quantentheorie sei eine vollständige Determinierung längst ad acta gelegt.
Heisenbergs Unschärfe-Prinzip schließt vollständiges Wissen über atomare Vorgänge aus, insbesondere zusammen mit der Chaos-Theorie, wonach winzige Ereignisse in einem instabilen System unvoraussagbare Folgen haben können. Schon als Student las ich beim Physik-Nobelpreisträger Jordan, dass Gott hier für sich selbst und den freien Willen ein Schlupfloch zum Eingreifen vorbehalten hätte.
Als Beleg für die Möglichkeit von Willensfreiheit sei das quantenphysikalische Argument ungeeignet, entgegnen heute viele Physiker! Zwar wird in der Quantentheorie der mechanistische Determinismus durch Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Auftreten von Ereignissen ersetzt. Nicht aber wird die Kausalität generell aufgegeben! Und selbst wenn sich zufällige, nicht-vorhersagbare Ereignisse von der quantenmechanischen Ebene auf die makroskopische Ebene fortsetzen sollten: was Entscheidungsfreiheit meine, sei ja gerade nicht quantentheoretischer Zufall, sondern absichtliches Wollen!
Das Argument des Naturgesetzes von der Energieerhaltung:
Singers Versuch, dem Geistigen jede energetische Kraft abzusprechen und die Welt nur in Naturgesetzen unterzubringen, widerspreche seiner eigenen Beobachtung: dass nämlich Kultur und Soziales durchaus Prägekraft auf neuronale Prozesse haben. Strafrechts-Gesetze oder kulturelle Traditionen sind nicht physikalisch messbar, nicht materiell. Singer sagt jedoch, dass sie auf neuronale, also materielle Prozesse einwirken können. Das bedeute dann aber, dass Immaterielles ein nur aus Materie und Energie bestehendes Gehirn doch beeinflussen könne!
Wie äußern sich Strafrechtler ?
Helmrich, Jurist und Minister a.D., bringt die bereits vorgetragenen Kritikpunkte am Libet-
Experiment und fügt hinzu:
kompliziertere Straftaten, etwa die Abgabe einer unrichtigen Steuererklärung, sind aus einer Fülle von kleinen Teilhandlungen zusammengesetzt, die sich über Tage verteilen können.
Der Wille, eine falsche Steuererklärung abzugeben, überdauere eine große Zahl von Bereitschaftspotentialen. Er überwölbe die Detailhandlungen und verbinde sie zu einem Gesamtverhalten. Der Steuersünder könne sich aber bei jeder Detailhandlung in dem vorher erwähnten Veto-Zeitraum noch umentscheiden und damit sei von Willensfreiheit auszugehen.
Aus dem Artikel eines Professors für Strafrecht:
Selbst wenn man zweifle, ob Willensfreiheit existiert, sei die Zuschreibbarkeit von Schuld für eine Straftat staatsnotwendige Fiktion! Das Beharren auf Schuld schütze vor willkürlicher Verurteilung. Es gebe gute Gründe für die Annahme, Artikel 1 des Grundgesetzes über die Unantastbarkeit der Menschenwürde decke nur diese begrenzte Schuldzuschreibung.
Was schreiben Theologen?
F. W. Graf, Prof. für Theologie und Ethik in München, geht mit sanfter Ironie auf "neurotheologische" Experimente ein.
Hier eine Kostprobe: 3 meditierende Franziskaner-Nonnen und 8 buddhistische Mönche
zogen in der Kernspin-Röhre an einer Schnur, wenn sie sich in mystischer Ekstase Gott bzw. dem Nirwana nahe fühlten. Der zugehörige Hirnbefund zeigte Funkstille in dem für Körperwahrnehmung zuständigen, normalerweise aktiven Stirnhirnareal. Die Deutung des Befundes: die normale Unterscheidung von Innen und Außen, von Selbst und Welt sei aufgehoben; es bestehe ein elementares Einssein mit Gott bzw. dem Kosmos. In diesem Zusammenhang wird gar vom "neuronalen Gottesmodul" oder von einem "Religionsgen" gesprochen.
Ich übergehe weitere ähnliche Experimente und bewundere die Sanftmut des Theologen,
sich hier beißenden Spottes zu enthalten.
3. Zum Abschluss philosophische Argumente :
Atome können nur sein und erkannt werden, wenn sie an ideellen Formen partizipieren. Das Eine und das Viele, das Selbe und das Verschiedene, alle geometrischen Formen liegen der Sache nach aller Möglichkeit des Existierens und der Erkenntnis von Atomen, Molekülen, Zellen und ihrer Interaktion zugrunde. Etwas Ideelles stiftet somit erst die Seins- und Erkenntnismöglichkeit der Dinge, die man danach vorfindet.
Plato fragt weiterhin:
Warum floh Sokrates nicht aus dem Gefängnis? Mögliche Antworten:
a) weil seine Sehnen und Knochen sich nicht bewegten.
b) weil er den Gesetzen des Staates gehorchen wollte
Plato schließt: Gründe bestimmen menschliches Handeln. Der Unterschied zu physikalischen Ereignissen sei, dass Menschen Ziele anstreben. Erkannte und bewusst gewordene Gründe und Ziele für Handlungen seien etwas ganz anderes als Ursachen, denn es bleibe die Möglichkeit, anders zu handeln, was bei Ursachen ausgeschlossen sei.
Betrachten wir die Ergebnisse der Hirnforschung, sehen wir einen deutlichen Fortschritt gegenüber Platos Sehnen- u. Knochen-Vorstellung. Die Resultate gehören aber immer noch zum gleichen Typus von Erkenntnis wie das Sehnen-Knochen-Argument.
Erinnern wir: Roth sagt im Gegensatz zu Plato: Ursachen u. Gründe seien zwei Seiten derselben Medaille, die auf im Gehirn implementierten Verschaltungen beruhen.
Von Ottfried Höfe, dem Tübinger Kant-Spezialisten ein Artikel: "Der entlarvte Ruck. Was
hätte Kant den Gehirnforschern zu sagen?".
Unsere Anschauungsformen Raum und Zeit strukturieren für uns die Masse der
Sinneseindrücke. Daraus konstruieren wir anhand unseres Denkschemas Kausalität
zusammen mit dem angeborenen Regelwerk von Logik und Syntax (bei Kant heißen sie Urteilsformen und Kategorien ) unsere Erfahrungen. All dieses geht jeder Erfahrung und Erkenntnis voraus und macht diese überhaupt erst möglich. ( Rupert Riedl, ein Konrad Lorenz-Schüler, würde sagen, diese kantischen "A priori" sind die "A posteriori" der Evolution ). Ob Raum, Zeit und Kausalität "an sich" existieren und wie die Welt "an sich" aussieht, können wir nicht wissen. Wir verfügen eben nur über das konstruierte, beschränkte Bild der Welt, "wie sie für uns erscheint".
Denken wir über uns selbst nach, z.B. über unser Gehirn, läuft es genauso. Wir können gar
nicht anders: durch das uns vorgegebene Denkschema der Kausalität erscheint uns alles als
determiniert.
Weil wir nicht wissen können, ob das außerhalb der uns möglichen Erfahrungen auch so ist, bleibt Freiheit im Gegensatz dazu aber zumindest denkmöglich. Kant gibt sich damit nicht zufrieden.
Willen definiert er nicht als irgendeine Selbstbestimmung, sondern als die Fähigkeit, sein
Handeln an der Vorstellung gewisser Gesetze auszurichten. Frei ist der Wille, sofern er sich das Gesetz selber gibt, also autonom ist ( autor in griechisch heißt selbst, nomos ist Gesetz ).
Da Moral die Höchstform des Guten ist, gilt für Kant das Handeln nach dem erkannten
moralischen Gesetz als die eigentliche Willensfreiheit.
Nicht in einem Libetschen Willensruck besteht sie, sondern darin, dass der Wille keinem
fremden, sondern autonom dem eigenen Gesetz folgt. Dass diese Möglichkeit besteht, zeigt
Kant an einem Beispiel.
Angenommen, man würde unter Androhung der Todesstrafe jemand auffordern, falsches Zeugnis gegen einen ehrlichen Menschen abzulegen. Ist es ihm möglich, die Falschaussage zu verweigern? Der Betroffene wäre sich vielleicht nicht sicher, ob er es tun würde oder nicht. Dass es ihm möglich sei, muss er aber ohne Bedenken einräumen. Er urteilt also, dass er etwas kann, weil er sich bewusst ist, dass er es soll, und er erkennt damit in sich die Freiheit, die ihm ohne sein moralisches Gesetz ( sein Gewissen ) unbekannt geblieben wäre.
Kant hat es auch einfacher formuliert: "woher der Zustand gekommen ist, in welchem ich jetzt handeln soll, kann mir ganz gleichgültig sein. Ich frage nur, was ich jetzt zu tun habe
Und da ist Freiheit eine notwendige Voraussetzung, unter der allein ich die Gebote der Vernunft als gültig ansehen kann. Selbst der hartnäckigste Skeptiker oder Fatalist muss, sobald es ihm um Weisheit und Pflicht zu tun ist, jederzeit so handeln, als ob er frei wäre".
Einer der Väter der Quantentheorie, Wolfgang Pauli hat zusammen mit dem genauso
berühmten C.G. Jung folgende Ansicht in Analogie zur Komplementarität von Welle und Teichen vorgetragen.( Komplementarität bedeutet, dass zwei Sichtweisen zwar miteinander unvereinbar sind, sich aber ergänzen ). Sie nehmen eine Komplementarität von kausalitäts-orientierter naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise einerseits und sinnorientierter Betrachtungsweise der Geisteswissenschaften inclusive Willensfreiheit andererseits an. Nur durch die gegenseitige Ergänzung dieser beiden Perspektiven sei die eine Welt ganz zu erfassen. Auch Singer benutzt dieses Argument, aber zu Unrecht: denn zwischen inkompatiblen Bereichen kann die von ihm behauptete Kausalität und Determination gerade nicht wirken.
Bennet, Philosoph in Oxford, hat zusammen mit Hacker, einem Neurophysiologen aus Sidney, jüngst ein Buch geschrieben: Philosophical Foundations of Neuroscience. Aus diesem Buch zwei Argumente:
- viele Hirnforscher unterlägen dem mereologischen Trugschluss, sie machten also den
Fehler, Eigenschaften, die nur einem Ganzen zukommen, auch Teilen dieses Ganzen
zuzuschreiben. Richtig sei hingegen z.B. zu sagen:
Mit meinem Auto fahre ich heute nach München, nicht mit dem Motor oder dem Anlasser.
Ich als ganze Person denke, fühle, glaube, wisse, will oder entscheide , nicht mein Gehirn.
Zwar fährt mein Auto nicht ohne Motor und Anlasser, zwar kann ich ohne Gehirn nicht
denken: aber Begriffe wie Ich, Bewusstsein, Denken, Wollen, Entscheiden können nur auf
ganze Menschen angewendet werden. Es sei empirisch weder richtig noch falsch von
denkenden, wahrnehmenden oder eine Entscheidung treffenden Gehirnen zu sprechen – es
sei nur genauso sinnlos wie die Aussage "ich fahre mit meinem Anlasser nach München".
Zur Erinnerung: Roth sagte anhand seines Beispiels, wo jemand durch die eine von zwei
Türen geht : ihm schiene die Aussage "nicht das Ich, sondern das Gehirn habe entschieden"
korrekt zu sein, denn eine Entscheidung zu treffen, sei ein objektiv überprüfbarer Vorgang.
- Eine wissenschaftliche Theorie, die mentale Phänomene, wie z.B. das Treffen einer
Entscheidung, aus neuronalen Gegebenheiten erklären will, ist selbst mentales Phänomen.
Das zu Erklärende wird also als Bedingung seiner Möglichkeit bereits vorausgesetzt. Das
Bewusstsein ist Ausgangspunkt, nicht Ergebnis der Erklärung. Es kann damit auch nicht
"wegerklärt" oder auf noch ursprünglichere Phänomene zurückgeführt werden. Hirnforscher,
die das versuchen, würden ihre eigenen Voraussetzungen nachträglich wieder aufheben.
Aus der Erkenntnistheorie:
Kein noch so exakter Befund spricht für sich selbst. Er wird stets im Rahmen der Theorie gedeutet, unter der er erhoben wurde. Jedes Ergebnis ist also theoriegeladen, enthält somit nicht nur empirische Daten sondern ist immer auch theoretisches Produkt. Es stünden deshalb in der Debatte nicht Hirnbefunde gegen Willensfreiheit, sondern Theorie gegen Theorie!
Zum naturwissenschaftlichen Reduktionismus:
Naturwissenschaftliche Experimente reduzieren ihr Beobachtungsfeld auf Wiederholbares und Quantifizierbares. Sie versachlichen den Experimentator zur neutralen Beobachtungs-instanz. Die bewusste Herstellung derart präparierter Weltausschnitte wurde möglich durch eine lange kulturelle Entwicklung seit der Renaissance. Umgekehrt kann der experimentelle Ansatz auf Kultur aber nicht angewendet werden, weil sich kulturelle Phänomene nicht auf diese Weise isolieren lassen.
Wenn Singer biologische Evolution und Kulturentwicklung als Faktoren einfach addiere, um
zu begründen, woher der subjektiv freie Wille stamme und warum er eine Illusion sei, zähle er Äpfel und Birnen zusammen. Singer überschreite hier den Bereich der Naturwissenschaften und liefere stattdessen fragwürdige kulturwissenschaftliche Deutungen.
Aus der Leugnung der Willensfreiheit resultierende Paradoxien des Determinismus:
Ohne die Freiheit des Willens, sich für gut oder böse entscheiden zu können, würden Sollen und Ethik sinnleer. Auch die Alternativen "richtig oder falsch" würden bedeutungslos, wenn eh alles kausal festgelegt ist und Urteilen und Handeln nach Gründen entfällt. Das führe zu absurden Konsequenzen. Ohne "richtig und falsch" fielen alle Argumentationsregeln, alles Wissen, alle Wissenschaften, auch die Hirnforschung in sich zusammen. Hirnforscher wären zu Hirnforschern determiniert. Sie würden für die Hypothesen des Determinismus nicht deshalb argumentieren, weil sie diese für richtig hielten, sondern weil sie dazu determiniert seien.
Welchen Schluss könnte man aus der ganzen Debatte ziehen?
Falls die Prämisse gelten soll, dass Weltdeutungen widerspruchsfrei sein müssen, um zutreffend zu sein, fallen als Antwort auf das Rätsel "Willensfreiheit oder Kausalität" letztlich nur wenige Alternativen ein:
- Unsere Selbsterfahrung trügt: wir sind nicht frei wie wir zu wähnen meinen, sondern
determiniert. Das wäre die Weltdeutung von Deterministen wie Roth und Singer.
- Unsere naturwissenschaftliche Weltbeschreibung ist bisher unvollständig:
Willensfreiheit und Determinismus sind wie Relativitätstheorie und Quantenmechanik
miteinander unvereinbar. Vielleicht lassen sich die Widersprüche aber irgendwann in einer
übergeordneten besseren wissenschaftlichen Theorie aufheben.
3. Unsere menschlichen kognitiven Fähigkeiten sind zu begrenzt, um hinter dem scheinbaren
Widerspruch die einende Wahrheit erfassen zu können.
Ich will mein Referat mit einer Frage schließen:
Die Naturwissenschaften haben ungerührt von all den ihnen vorgeworfenen Denkfehlern schier unglaubliche Leistungen hinsichtlich unseres Wissens über die Welt und unserer Lebensgrundlagen geschaffen.
Was sollte uns aber bewegen, den Kölner Dom, das Grundgesetz oder Goethes "Faust" als Epiphänomen neuronaler Prozesse zu sehen? Es ist eine Sache, durch die eine oder andere Tür zu gehen; aber ist es nicht eine qualitativ ganz andere Sache, wie Wallenstein in Schillers Drama zu sagen; "Wär´s möglich, könnt ich nicht mehr wie ich wollte?"