Idi Amin Vortrag vor OT137 Pforzheim am 09.01.2007
Idi Amin Dada (vollständiger Name) wurde am 17. Mai 1928 oder laut anderen Quellen am 01. Januar 1928 oder 1923, 1924 oder 1925 in Koboko, Uganda geboren. Er entstammte dem Adibu- Clan, der Ethnie der Kakwa im Südsudan. Sein Vater, Andreas Nyabire, ursprünglich Christ, trat zum Islam über und nannte sich Amin Dada. Er war Soldat und Polizist. Seine Mutter Assa Aatte stammte aus einer Ethnie des heutigen Kongo. Sie war Medizinfrau. Die Eltern trennten sich 1931. Es geht auch das Gerücht, dass der Kabaka (König) Daudi Chwa II. der Vater von Idi Amin sein soll.
Idi Amin war Analphabet, 1,93 m groß und wog mehr als 100 kg. Er war 10 Jahre lang Boxmeister aller Klassen seines Landes. Zeitweise hatte er 4 Frauen, mit denen er etwa 20- 25 Kinder haben soll.
1946 trat Idi Amin den King´s African Rifles, einer aus Schwarzafrikanern gebildeten Einheit der britischen Kolonialarmee, bei. Zunächst als Hilfskoch beschäftigt, begann sein militärischer Aufstieg mit dem Einsatz beim so genannten Mau- Mau- Aufstand in Kenia. 1953 wurde er Feldwebel (Sergeant), 1958 Hauptfeldwebel (Sergeant- Major). 1959 stieg er zum Effendi (Warrant Officer) auf, den höchste Rang, den bis dahin ein Schwarzafrikanerin den Kolonialtruppen erreichen konnte. 1961, ein Jahr vor der Unabhängigkeit seiner Heimat, war Amin einer von zwei Ugandern, die erstmals zum britischen Offizier (Lieutenant) befördert wurden (als Analphabet ?!).
Nach der Unabhängigkeit 1962 gelang ihm eine schnelle Karriere. Dank seines Gönners, Premierminister Milton Obote, wurde er 1963 Hauptmann und 1964 stellvertretender Armeekommandeur und 1966 General und Generalstabschef.
Amin sicherte sich nun die Kontrolle über das Heer, indem er verstärkt Angehörige seines Stammes sowie Muslime aus dem Norden des Landes rekrutierte.
Sein Hang zur Brutalität war bereits bekannt. Als er mit der Schlichtung eines Streites zwischen rivalisierenden Nomaden beauftragt wurde, löste er die Aufgabe, indem er die Streitenden mit der Verstümmelung ihrer Genitialien drohte.
Am 25. Januar 1971 ergriff Idi Amin in einem unblutigen Putsch die Macht. Milton Obote nahm gerade an einer Konferenz der Commonwealth- Staaten in Singapur teil. Am Morgen nach der Machtübernahme veröffentlichte eine 18 Punkte umfassende Anklageschrift, die sie vorgeblich zum Sturz des Obote- Regimes veranlasst hatte. Vor allem prangerte sie an: Mangelnde politische Freiheiten, willkürliche Verhaftungen, galoppierende Inflation. All das sollte sich ändern. Im Westen wurde der Putsch mit Erleichterung aufgenommen. Großbritannien und Israel erkannten den Machtwechsel sofort an.
Nach wenigen Tagen verschwanden jedoch Hunderte von Richtern, Intellektuelle, hohe Offiziere und 6 Minister Obotes. Ganze Dörfer, die Obote unterstützt hatten, wurden dem Erdboden gleichgemacht. Die Bewohner wurden getötet. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen fielen seiner achtjährigen Gewaltherrschaft zwischen 100.000 und 500.000 Menschen zum Opfer.
Weil nicht schnell genug Gräber geschaufelt werden konnten, ließ er die Leichen den Krokodilen im Nil zum Fraß vorwerfen, die sich zum Teil gesättigt abwandten.
Um seine Wirtschaftsbeziehungen zu den arabischen Staaten zu verbessern, brach Amin mit Israel und wurde erbitterter Gegner Israels. Er verherrlichte die Greueltaten der Nationalsozialisten und wies Israelis aus, um an Rüstungsgeld aus Libyen zu kommen.
1972 begann ein "Wirtschaftskrieg" und eine Afrikanisierungskampagne. Einem göttlichen Auftrag gehorchend, die er im Traum erhielt, mussten alle 80.000 Asiaten, die von den Briten kurz vor der Jahrhundertwende ins Land gebracht wurden, dieses wieder innerhalb 3 Monaten verlassen. Ausländische Unternehmen wurden enteignet. Auch Schwarze wurden nicht verschont. Mehrere tausend Nigerianer und andere Westafrikaner wurden ähnlich kurzfristig abgeschoben.
Damit verlor Uganda seine Ober- und Mittelschicht und wurde wirtschaftlich ruiniert, nicht zuletzt dadurch dass Idi Amin keine Ahnung von Geld oder Wirtschaft hatte. Seinen ehemaligen, 1975 nach London geflohenen Finanzminister wies er an einfach neues Geld zu drucken, als dieser ihn um Ausgabenbeschränkung anflehte. An der Macht blieb er, weil der Westen weiterhin mit Uganda Handel trieb und die Sowjetunion weiterhin Waffen lieferte. 1975 wählte ihn die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) zu ihrem Präsidenten. Am 1. Oktober 1975 hielt er in dieser Funktion vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Rede zur ersten UN- Resolution, die nicht nur Israel verurteilte, sondern Zionismus mit Rassismus gleichsetzte- die bis 1991 gültige, so genannte Z=R- Lösung. In seiner Rede forderte Idi Amin die "Vernichtung des Staates Israel" und erklärte:
"Die Vereinigten Staaten sind kolonisiert worden von Zionisten, die alle Instrumente von Entwicklung und Macht kontrollieren. Sie besitzen praktisch alle Bankgesellschaften und die zentralen Kommunikationseinrichtungen, sie haben die CIA unterwandert, um sie zu einer großen Gefahr für alle Nationen und Völker werden zu lassen, die der zionistischen Eroberung entgegenstehen könnten. Sie haben die CIA in eine Todesschwadron verwandelt, die jede Form des gerechten Widerstandes in der ganzen Welt vernichtet."
Die Vollversammlung reagierte mit stehenden Ovationen. Die Z=R- Resolution wurde wenige Wochen später mit nur 6 Gegenstimmen angenommen.
1976 ließ sich Idi Amin zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen. Im Sommer geriet Uganda in die Schlagzeilen, als ein Flugzeug der Air France auf einem Flug von Tel Aviv nach Paris durch Palästinenser gekapert und nach Entebbe entführt wurde. Die Befreiung der Geiseln durch israelische Spezialeinheiten auf ugandischem Territorium war eine Demütigung für Idi Amin.
Im Oktober 1978 gab er den Befehl zur Invasion Tansanias um Risse innerhalb seines Militärs zu kitten. Durch die Besetzung und Annexion des Kagera- Gebiets provozierte Uganda eine Gegenreaktion Tansanias. In der Gegenoffensive wurde die Hauptstadt Kampala von Tansanischen Truppen zusammen mit Exilugandern am 11. April 1979 eingenommen. Zunächst floh Amin nach Libyen und danach in den Irak. Schließlich ging er nach Saudi- Arabien ins Exil, wo ihm die Regierung unter der Bedingung, dass er sich nicht politisch betätige, eine Villa in der Stadt Dschidda zur Verfügung stellte. Dort starb der so titulierte "Schlächter von Afrika" nach längerer Zeit im Koma am 16. August 2003 an Bluthochdruck und Nierenversagen.
Eine Diskussion schloß sich an: Wodurch entstehen Diktaturen ? - Hinterlassenschaften der Kolonialmächte in Afrika, Südamerika und Asien ? Neue Ideologien wie Nationalsozialismus und Kommunismus ? Wie hat die Völkergemeinschaft damit umzugehen ? – Boykottieren oder tolerieren um gleichzeitig politische und wirtschaftliche Interessen zu wahren und am Schluß evtl. einen Wandel zur Demokratie zu erreichen. Schätzungsweise ein Thema für einen separaten Vortrag.