Vortrag vor OT 22 Heidelberg von Klaus am 12.02.2008 über
Kostenexplosion im Gesundheitswesen
Noch im Jahr 2000 hatte Bundes-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) trotzig behauptet: "Von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen kann nicht die Rede sein." Mittlerweile hilft alles Schönrechnen nicht mehr. Selbst die Gesundheitsministerin kann nicht mehr ernsthaft bestreiten, was auch schon damals bei halbwegs nüchterner, durch Politik und Ideologie unverstellter Betrachtung absehbar war: die Kosten explodieren exponentiell und der bisherige Standard einer umfassenden Versorgung mit allen Segnungen unseres Gesundheitswesens ist eigentlich schon jetzt nicht mehr zu gewährleisten. Selbst die Beiträge zur der in der Vergangenheit als Hort des Kostenbewusstseins geltenden privaten Krankenversicherung sind in den letzten Jahren gewaltig angestiegen bei gleichzeitiger Einschränkung von Leistungen.
Nach einem Blick auf die Historie zählte Klaus einige der zahlreichen Gründe auf, warum für unser Gesundheitswesen mittlerweile die Diagnose gestellt werden muss: "Unfinanzierbar":
Bei allen so genannten Reformen der letzten Jahrzehnte, die zu umfangreichen Leistungseinschränkungen, zur doppelten Mehrbelastung der Beitragzahler durch überproportional gestiegene Beiträge und durch Zuzahlungs- und Selbstbehaltregelungen geführt haben, hat eher die Wähler-Optik als das Ziel einer grundlegenden Systemsanierung im Vordergrund gestanden. Weder Kostendeckelungen noch die Einführung von Behandlungspauschalen (DRGs) oder der bisher erfolgte Bettenabbau haben eine spürbare und dauerhafte Kostendämpfung bewirkt.
Nach jahrelangem notdürftigem Stopfen der jeweils dringendsten Löcher entbehrt das Krankenversicherungssystem heute der Logik, der Gesamt-Konsistenz und der Homogenität. Vielmehr steuert es nach der gesetzlichen Rentenversicherung, die nur noch durch die Finanzierung über die Zapfsäulen der Tankstellen mühsam am Leben gehalten wird, ebenfalls langsam, aber sicher gegen die Wand; spätestens dann, wenn die Beiträge weiter so steigen wie prognostiziert. Dann kann sie nämlich der normale Arbeitnehmer nicht mehr bezahlen und die Lohnnebenkosten werden über den Arbeitgeberanteil noch stärker belastet als schon jetzt.
Schuld daran sind für alle Beteiligten, wie immer, "die Anderen". Für die eigene Gruppe ist – auch dank der hochgerüsteten Öffentlichkeits- und Lobby-Abteilungen der eigenen Standesvertretungen - auf jeden Vorschlag, der an den eigenen Geldbeutel gehen könnte, sofort die passende, bequeme Ausrede parat.
Auch die rege Diskussion führte uns nicht zum Stein der Weisen in dieser vielschichtigen Problematik. Dass bestimmte ärztliche Leistungen oberhalb definierter Altersgrenzen nicht mehr gewährt werden sollen, schien für uns, zumal bei unserer Altersstruktur, jedenfalls nicht die Methode der Wahl zu sein. Auch wenn sich Erfolge daraus erst mittel- und langfristig einstellen würden, scheint jedoch der Wert einer gezielten Gesundheits-Vorsorge und von Präventionsmaßnahmen, verbunden mit einem wirksamen System von Anreizen (wenn schon nicht mit Sanktionen), derzeit noch nicht vollständig ausgeschöpft. Vielleicht kennt ja unser Referent beim April-Treffen Auswege aus dem Dilemma.