zur Startseite - klick hierVortrag von Professor Dr. Günther Wirth vor OT 22 Heidelberg am 10.02.2004

Die unerwartet große Präsens an diesem Abend machte nicht nur eine ständige Verlängerung unseres Tisches erforderlich, sondern war offensichtlich auch ein Zeichen für die große Begeisterung für die Musik von Franz Liszt und - mindestens in gleichem Maße - für den Referenten, Professor Dr. Günther Wirth, dem der Ruf voraus ging, als Pianist und Liebhaber von Liszt (natürlich dessen Musik) einen brillianten wie amüsanten Vortrag zu halten.

Und diesem vorauseilenden Ruf ist Herr Wirth mit großer Einfühlung für die Liszt’sche Biographie zu seiner eigenen vor allem aber zu unserer Freude nachgekommen.

Franz Liszt geboren am 22.10.1811 in Ungarn, gestorben am 31.07.1886 in Bayreuth. Mit 27 J. gilt er als der bedeutendste Klaviervirtuose seiner Zeit. Liszt stammt aus ärmlichen Verhältnissen, schon als Kind hat (musste?) er täglich viele Stunden am Klavier geübt. Mit 10 Jahren wurde er Schüler von Carl Czerny und Antonio Salieri in Wien. Schon nach der 6. Stunde verzichtete Czerny auf sein Honorar, da er als Lehrer diesem Wunderkind bald nichts mehr geben konnte. Durch dessen Empfehlung kam Liszt zu Luigi Cherubini, dem Direktor des Konservatorium nach Paris

Mit 11 Jahren gab er sein erstes Konzert, mit 15 J. komponierte er erste, bedeutende Klavierwerke.

In jungen Jahren fühlte er sich von geistlicher Musik und den Weihrauchmysterien der Kirchen so angezogen, dass er Priester zu werden hoffte.

Ein Konzertbesuch des berühmten Geigenvirtuosen Niccolo Paganini (1782-1840) hatte ihn so aufgewühlt, dass er beschloß, es diesem gleich zu tun und danach strebte, die Ausdrucksfähigkeit des Klaviers zu erweitern.

Nicht erst im Alter von 20 Jahren flogen Liszt die Herzen der Zuhörer besonders der Frauen zu.

Er sah interessant aus, war gebildet, geistreich, galant, ein berühmter Pianist und liebte das große reiche Leben. Unter vielen hatte er mit Georg Sand ein Liebesverhältnis.Comtesse Marie d’ Agoult

Mit 24 J. nahm er eine Unterrichtstätigkeit in Genf an. Hier ging er eine Verbindung mit der Comtesse Marie d’ Agoult ein, mit der er 3 uneheliche Kinder hatte. (seineTochter Cosima aus dieser Beziehung heiratete später Richard Wagner)

Mit 36J. nach Trennung von der Comtesse Verbindung zu Prinzessin Sayn-Wittgenstein.

Als Lehrer, Pianist und Komponist übte Liszt großen Einfluß aus. 1848- 1857 arbeitet er als Hofkapellmeister in Weimar und macht W. zum führenden Musikzentrum. Ob in Berlin, wo König Friedrich der IV ihm den Pour-le-merite Orden verlieh oder in Königsberg, wo er die Ehrendoktorwürde bekam, Liszt reiste, wurde geehrt und als technisch vollendet spielender Pianist bewundert und dabei wohlhabend.

In St. Petersburg begegnete er Zar Nikolaus in dessen Kutsche er eine Konzertreise durch Polen unternahm.

Seine Konzerttourneen führen ihn durch ganz Europa, von Kiew bis Potugal, von Konstantinopel bis Spanien.

Und unser Referent erzählte geradezu leidenschaftlich und genussvoll von den zahlreichen Frauenbeziehungen besonders zu Adligen, zu Gräfinnen, zu Fürstinnen und selbst zu einer Königin. Es sollen 200-300 Frauen gewesen sein ….

Die Frage, wie Liszt seine amourösen Beziehungen ohne die damals oft tödlichen Geschlechtskrankheiten und ohne großen Kindersegen neben seiner anstrengenden pianistischen Tätigkeit bestehen konnte, wurde von unserem Referenten leider nicht erklärt..

Mit 50 Jahren ging Liszt nach Rom, wo er zum Abbe geweiht wurde. Selbst Papst Pius der IX ließ es sich nicht nehmen, den berühmten Mönch in seiner Zelle aufzusuchen.

Es folgten neuerliche Aufenthalte in Weimar und Budapest.

Enge freundschaftliche Beziehungen hatten sich im Laufe seines Lebens zu Berlioz, Wagner und Chopin entwickelt.

Im Alter von 74 wurde er von seiner Tochter Cosima nach Bayreuth eingeladen . Hier endeten seine ruhelosen Wanderjahre. Im Alter von 75 Jahren starb er während eines Konzertes. Neben seiner großen Virtuosität und stolzen Gestalt war es der Zauber seiner Persönlichkeit und Liebenswürdigkeit, die Liszt zu seiner Berühmtheit verhalf.