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Naschen macht Spaß und es tröstet die Seele, so sagt der Volksmund.

An einer Frage scheiden sich jedoch ( NICHT BEI OT 123) die Geister und Geschmäcker: Lakritze. Die einen lieben sie, die anderen schüttelt es schon beim Geruch. Besonders in Süddeutschland wird diese herrliche Nascherei als "Katzen- oder Bärendreck" diffamiert.

Was viele Menschen nicht bedenken wenn sie Lakritz ablehnen, ist, daß das Süßholz schon seit vielen hundert Jahren in der Heilkunde eingesetzt wird. Süßholz ist also im Grunde genommen Medizin. Und wie jede Medizin hat es erwünschte und unerwünschte Wirkungen.

Zur Herstellung von Lakritze wird der Saft (Succus Liquiritiae) der Wurzel des Süßholzstrauches "Glycyrrhiza (d.h. Süße Wurzel) glabra" verwendet, der ursprünglich aus Asien und dem Mittelmeerraum stammt. Die holzige Staude wird bis 1,5 Meter hoch, bildet zunächst eine Pfahlwurzel und später die erntbaren, bis 8 m langen Nebenwurzeln. Die Wurzelrinde enthält Glycyrrhizin, ein Glycosid, (auch bekannt aus Weinpanschereien) das, mit anderen Inhaltsstoffen, der Lakritze ihren Geschmack verleiht und eine 50fach stärkere Süßkraft als Rohzucker hat.

Risiken:

Süßholz bewirkt unter anderem, daß der Körper vermehrt das Mineral Kalium ausscheidet. Ein anderes Mineral, das Natrium, wird dagegen vermehrt im Körper gebunden. Dies kann zu einem Ungleichgewicht führen: Muskelschwäche und Bluthochdruck können die Folge sein. Natriumüberschuß bindet zudem Wasser im Körper und kann zu Wassereinlagerungen (Ödemen) führen. Immer wieder werden in Deutschland Lakritzerzeugnisse gefunden, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthalten. Es handelt sich vor allem um importierte Waren. Regelmäßiger Verzehr dieser Produkte von mehr als 50 g ( = 1,25 handelsübliche Tüten pro Tag) kann bei bestimmten Personen zu Nebenwirkungen führen. Das gilt besonders für Menschen mit Bluthochdruck, Herz- Kreislauferkrankungen und Diabetes, sowie für Schwangere. – Nur bedingt OT relevant. Daß Lakritze in großen Mengen wirklich zu gesundheitlichen Problemen führen kann, zeigt auch der Fall einer Frau mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, die ihre Erkrankung auf den Verzehr von täglich 400 Gramm Lakritze über mehrere Monate hinweg zurückführte. Ihr Versuch, den Hersteller der Süßware zu verklagen, schlug fehl. "Die Dosis macht das Gift", wußte schon Paracelsus.

Vorteile:

In der Heilkunde wird dem Süßholz eine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm nachgesagt. Bei Infektionen der oberen Luftwege kann es helfen, den Schleim zu lösen und es beruhigt den Hustenreiz. In einer Studie im schottischen Edinburgh wurde dem Lakritz-Inhaltsstoff Carbenoloxon sogar bescheinigt, gegen Gedächtnisschwäche im Alter zu helfen. Achtung! Sehr OT relevant!!

Geschichte:

1922, bei Öffnung des Grabes des Pharao Tutenchamun, fand man eine Wurzel des Süßholzstrauches. Dies läßt darauf schließen, daß den Ägyptern dessen heilende Wirkung schon vor Jahrtausenden bekannt war. Aber auch die Griechen und die Römer verwendeten bereits den Saft der Süßholzpflanze zur Behandlung von Magengeschwüren und Asthma.

16. Jh.: Der Strauch gedeiht inzwischen, allerdings ohne Blüte, sogar bei unseren englischen Freunden (ab 1614 gibt es dort schon medizinische "Lakritztaler" von nordenglischen Dominikanermönchen). 1760 hat die Lakritze ihren Durchbruch. Ein Apotheker namens George Dunhill mischt den Talern Zucker bei und macht diese so zu einer beliebten Süßigkeit. (Firma gehört inzwischen Haribo).

Angeblich (Gerücht ohne Zusammenhang) wird noch heute Zigaretten Lakritz beigemengt, um Hustenreiz zu lindern.

Aktuelles:

Je nach Sorte der Süßigkeit beinhalten Lakritz- und Salmiakprodukte unterschiedlich viel Glycyrrhizin. Rund 0,2 % dieses Wirkstoffs dürfen im restriktiven Deutschland in der handelsüblichen Lakritze enthalten sein. So genannte Stark-Lakritze, deren Wirkstoffgehalt über diesem Wert liegt, muß als "Erwachsenenlakritz" gekennzeichnet sein.

Ganz anders sehen das unsere nordischen Nachbarn.

Zitat Verbraucherschutzmirakelministerium: "In nordischen Ländern wie Dänemark und Schweden ist Lakritze eine besonders beliebte Süßigkeit. Das Angebot der verschiedensten Sorten lädt zum Probieren ein. Doch besonders bei Importware sollte der (mündige deutsche) Verbraucher daran denken, daß die bundesdeutschen Grenzwerte im Ausland nicht gelten, und daß der Gehalt an Glycyrrhizin in solchen Produkten bedeutend höher liegen kann". Oh, Mann – was für’n Horror. Wie können die Dänen das nur überleben.

Der Süßholzstrauch, aus dem Lakritz gewonnen wird, könnte künftig bei der Bekämpfung von Leberkrebs helfen. Chinesische Forscher entdeckten, daß zwei Bestandteile der Pflanze geeignet sind, Wirkstoffe ins Zentrum eines Tumors zu transportieren. Die Herstellung der beiden entscheidenden Säuren sei zudem billiger als die Herstellung von Antikörpern und Aminosäuren, die bislang zur Bekämpfung des aggressiven Krebses eingesetzt würden. Zu den Ergebnissen kamen die Forscher um Ji Yuan von der Universität Nankei.

Die Lakritze scheint offenbar ein Multitalent zu sein, werden ihr doch noch viel mehr Eigenschaften nachgesagt:

· Glycyrrhetinsäure soll das Wehenhormon Progesteron beeinflussen. Frauen, die während der Schwangerschaft viel Lakritze essen, bringen Ihre Kinder durchschnittlich 2,5 Tage früher zur Welt, fanden finnische Wissenschaftler heraus. Flott, aber nicht erstrebenswert!

· Italienische Forscher wiederum vermuten, daß regelmäßiger Lakritz Konsum die Fettpolster schmelzen läßt. Eventuell liegt das am Appetit hemmenden Effekt der Lakritze. Und was ist mit Durst?

· Ebenfalls aus Italien stammen die Ergebnisse zu Lakritzverzehr und männlicher Potenz. Angeblich hemmt Lakritze Enzyme, die für die Produktion männlicher Hormone verantwortlich sind. Der Testosteronspiegel und die Lust am Sex sinken. Außerdem kann es zu Potenzstörungen kommen. Stimmt! Kenne Beispiele älterer Konsumenten ;-))

· Laut einer US-Studie wirkt die Duftmischung aus Lakritze und Gurken sexuell stimulierend auf Frauen. Angeblich läßt diese Mischung die Durchblutung der Genitalgegend um 14 Prozent steigen. Rasierwasser sei hingegen kontraproduktiv.

Schön, daß trotz Gurkensalat und traditionellem Lakritz-Nachtisch noch immer eine gewisse Contenance seitens der Damen im OT 123 Kreise gewahrt bleibt!

Quellen: gesundheit.de, Haribo, u.a.

Zugesandt von Gerd Gröttrup