"Rituale"   OT45 Rüsselsheim informiert sich zum Thema am 13.08.2004

Pfarrer Gärtner erhält durch unsere OT 45-Begrüssungsrituale einen Einstieg zu seinem Vortrag. Er beobachtet unsere herzlichen Umarmungen und Wangenküsse, auch die OT 45-Standarte steht auf dem Tisch. Er definiert u.a. Rituale als immer wieder vollziehbare Handlungen, die Menschen verbinden. Im 20. Jahrhundert sei der Begriff gelockert worden, denn ursprünglich kam er von Ritus und wurde mehr religiös verstanden. Rituale werden heute auch als persönlichen Ausdruck zelebriert. Die Begrüssungs- und Abschiedsrituale (Überbleibsel von Segensformen, Handauflegen, Stirne- küssen, Beerdigungsrituale) haben sich im Alltag bewährt und decken sich mit allgemeinen Vorstellungen in unserem Kulturkreis.

Rituale können Sicherheit geben, den Alltag einteilen und organisieren.

Sie dienen der Organisation von Übergängen im Leben wie z. B. Geburt, Taufe, Hochzeit, Tod. Der obligatorische Frühjahrsputz soll eine neue Zeit willkommen heißen und Ordnung für sich selbst schaffen.

Es gibt auch eine Verselbständigung von Sauberkeitsritualen, z. B. der Waschzwang, der nicht unterstützt, sondern hindert.

Auch Alltagsvorgänge können Rituale beinhalten, die Sichtweise ist entscheidend dabei. Rituale deuten auf einen höheren Wert hin. Z. B. gemeinsame Mahlzeiten in der Familie, bei Staatsbesuchen.

Die Übergange von Bräuchen zu Ritualen und Tradition sind fließend. Sie konnten von uns nicht genau definiert und abgegrenzt werden während der bohrenden Fragestellung von Christ bei der Diskussion.

Rituale dienen der Machtdemonstration (Paraden, Aufmärsche, Ordensverleihung – nicht auf den Parkplatz des Chefs stellen!)

Übergangsrituale von Kindheit zur Pubertät und zum Erwachsenwerden in unseren christl. Religionen bzw. den Kirchen und dem öffentlichen Leben wurden angesprochen (Taufe/Schulzeit, Konfirmation/Lehre/Führerschein)

und versteckte Übergänge wie Volljährigkeit, einem Kreis von Menschen zuzugehören (Autofahrer), das Verabschieden vom Arbeitsleben, Rentner-dasein.

In der Diskussion wurde klar: Rituale sind gewachsen, verändern sich und werden vom Umfeld übernommen. Sie sind erfolgreich, wenn Menschen darunter dasselbe verstehen. Rituale sind neutral, nicht gut oder schlecht. Auch die Toleranz von anderen Riten sollte selbstverständlich sein.

Ebba