Safaris in Südafrika – Gastvortrag Jörn Seidler, Ranger & PH
Präsident Thomas kennt den Gast, einen gebürtigen Nordenhamer aus Blexen, bereits seit einiger Zeit und hat ihn als Gastreferenten gewinnen können. Seidlers Spezialgebiet ist die Durchführung von Safaris in Südafrika und Namibia; mit rund 100 eindrucksvollen Dias berichtete er über diese Möglichkeit eines erlebnisreichen Tourismus.
S. trägt den Titel Safari Operator, ist Großwildjäger und Ranger für die Nationalparks und kennt wohl wirklich alle Regionen zwischen Botswana und dem Kap. Seit 6 Jahren ist er auch Farmverwalter in Namibia.
Der Referent ist seit Anfang Januar in Deutschland unterwegs, um auf Messen seinen Tätigkeitsbereich vorzustellen und Interesse für die Safaris zu wecken. In den Monaten Dezember bis März ist nämlich in Südafrika Sommer, das bedeutet ungünstige Rahmenbedingungen für Safaris. In den Parks (z.B. Krüger-Nationalpark) fallen Sommerregen: Wärme und Niederschläge aber begünstigen die Aktivität der Anopheles-Mücke, die auf leckere Touristen wartet und diese mit Malaria aus dem Lande treiben will (oder unter die Erde).
Günstiger ist das Klima im Süden, denn hier ist das Gebiet mit Winterregen; demzufolge ist es von Dezember bis März eher trocken und wegen der Meeresnähe nicht übermäßig warm, aber auch ohne Safari-Parks. Baden und Reisen entlang der Gartenroute zwischen Kapstadt und Port Elizabeth gehöre hier zu den bevorzugten Attraktionen.
Mit den BIG FIVE werden die großen Tiere der Savanne bezeichnet, auf die der Safarist besonders scharf ist: Büffel, Elefant, Leopard, Löwe und Nashorn – wieder alfabetisch. Darüber hinaus stehen auch Elefanten, Flusspferde, Springböcke, Antilopen, Erdhörnchen auf der Beobachtungsliste – diesmal nach Größe geordnet. Dann tauchte im Bericht des Referenten noch die penible Differenzierung zwischen Gepard und Leopard auf: Welcher hat nun die Punkte? So diffizil ist nur noch die Unterscheidung von schwarzen und weißen Zebras mit weißen bzw. schwarzen Streifen.
Zum Safari-Programm zählen auch Ausflüge zu Straußenfarmen, Erkunden der Salzpfannen der Namib-Wüste und – was allgemein den Abschluss bildet – ein Aufenthalt in einer komfortablen Lodge.
Das Land hat in den Diagonalen eine Ausdehnung von 600 mal 1800 km (3x Deutschland!), eine Küstenlinie von 3000 km Länge umschließt das Land im Westen, Süden und Osten. Anlaufstelle aus Deutschland ist gewöhnlich der internationale Flughafen von Johannesburg, 1800 m hoch gelegen. Hier landen zurzeit wöchentlich 12 Lufthansa-Flugzeuge, Flugdauer 11 Stunden, Zuwachs an Reisenden 27%, also sehr im Trend. In der gleichen Region befindet sich die Hauptstadt Pretoria. Der Gold-Reichtum der Region ist immer noch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Aus bis zu 4.500 Metern Tiefe wird aus 40 intakten Goldminen die Menge von 44 Tonnen Gold gefördert. Touristen fliegen häufig weiter nach Kapstadt, der Stadt an der Südspitze des Landes, wo der sehenswerte Tafelberg das Landschaftsbild prägt. Das Kap ganz im Süden ist nicht etwa das Kap der guten Hoffnung, sondern das Nadelkap.
Kapstadt verdankt seine Entstehung der strategisch günstigen Lage für die Schiffe der niederländisch-ostindischen Handelsgesellschaft, deren Schiffe zur Wasser- und Lebensmittelversorgung dort Staion machten.
Als Rainbow-Nation wird SA wegen der besonders gemischten ethnischen Zusammensetzung bezeichnet. Unter den 17 Völkern sind 7 Millionen Weiße (davon sind 1,3 Mio. deutschstämmig und 120.000 Deutsche) und 1,5 Millionen Inder. Die übrigen ca. 35 Millionen unterscheiden sich in der Intensität der Pigmentierung: Neben "Black" gibt es auch "Coloured", Mischungen, die auch mit dem Frauenmangel der Einwanderer erklärbar sind. (Die Daten unterscheiden sich von lexikalischen Angaben.)
Bemerkenswert die Ausführungen des Referenten zu sozialen Bedingungen im Land. So sind 50% der Bevölkerung unter 18 Jahren, doch das Bevölkerungswachstum beträgt nur 0,5%, denn die Lebenserwartung sinkt in den letzten Jahren von 58 auf 40 Jahre (Schätzung für 2008). Ursache dafür ist die hohe HIV-Rate in der Bevölkerung von ca. 30%. Soziale Traditionen, sexuelles Verhalten und von uns kaum nachzuvollziehende Mentalitäten stecken dahinter.
Nationalparks und Safaris als Form des Tourismus sind nach Darstellung des Referenten von Bedeutung sowohl für Wirtschaft wie auch für die Natur. Die Pflege der Parks durch das Parkmanagement sorgt für den Artenbestand, wobei Pflege nicht nur die Hege ist, sondern auch die Regulierung z.B. durch Abschusslizenzen. Die touristische Infrastruktur ist in manchen Regionen ausgezeichnet, was auch besonders für Botswana und das Grenzgebiet beider Länder zutrifft. Völlig zusammen gebrochen ist dagegen der Fremdenverkehr nahe Sambia, wo die politischen Verhältnisse dies zurzeit unmöglich machen.
Nach den eindrucksvollen, niemals langatmig werdenden Beschreibungen und Erklärungen von Jörn Seidler können wir dessen Schlusswort nur unterstützen:
Wer einmal da war, der will wieder hin.