Der Vortrag von Marcus G. zum Thema:

„Verschlüsselung von der Antike bis zur Neuzeit“ 

Marcus entführte uns mit seinem Vortrag in die geheimnivolle Welt der Steganographie, der Kryptographie, der Codes und der elektronisch verschlüsselten Nachrichten. Markus schlug virtuos den Bogen von der Antike bis in unsere Tage und viele von uns dachten an die tanzende Spionin Mata Hari, Kalle Blomquist oder James Bond.  

Grundsätzlich handelte der Vortrag von dem uralten Bedürfnis des einen Menschen („Alice“), mit einem anderen Menschen („Bob“) zu kommunizieren, der dummerweise aber gerade nicht anwesend ist und der unbedingt eine Neuigkeit erhalten soll, deren Inhalt ein dritter Mensch („Eve“) aber nicht erfahren oder verstehen darf. Dieses Bedürfnis zu stillen war schon lange vor unserer Zeitrechnung Streben der Menschheit und hat bis heute nichts an seiner Aktualität verloren. Nur zur Klarstellung: Es ging Markus nicht um das tägliche Gespräch zwischen zwei Ehepartnern, bei dem üblicherweise der Mann nicht versteht, worum es geht. Auch ging es nicht um den Klönschnack zwischen zwei Freundinnen, die sich über eine dritte unterhalten.  

1. Steganographie griechisch (steganos = bedeckt, grahein = schreiben)

Schon die alten Perser und Griechen versuchten ab 480 v.Chr. Nachrichten auf unscheinbaren Holztafeln, die mit Wachs überzogen waren, zu verstecken oder nutzen Tinte aus Pflanzenextrakten, um die Schale von gekochten Eiern zu beschriften. Die Schrift trocknete ein, verschwand in der Eierschale und konnte erst auf dem gepellten Ei wieder gelesen werden.  

Problem: Entdeckung relativ einfach, da nur das Verstecken der Existenz der Nachricht im Vordergrund steht ! Außerdem sind zu viele Eier auch ungesund. 

2. Kryptographie griechisch (kryptos = verborgen)

bedeutet Codierung aus Gründen der Geheimhaltung mit dem Ziel, die Nachricht für unbefugte Augen unentzifferbar zu machen. Hierzu gibt es mehrere Ansätze… 

2.1 Transposition.

Setzt ein sicheres System zur Transposition voraus, das Sender und Empfänger kennen / Relativ unsicher bei kurzen Wörtern. Markus brachte ein Beispiel, das wir auf die Schnelle nicht entziffern konnten, es war die Zusage, die Getränke des heutigen Abends zu bezahlen. Glück gehabt ! 

2.2 Substitution

Setzt voraus, dass dem Klartextalphabet ein Geheimtextalphabet gegenübersteht und sowohl Sender als auch Empfänger die Formel zur Übertragung kennen (Bsp: die symmetrische Codierung).  

2.3 Codes

Eine Geheimschrift entsteht aus der Verknüpfung eines Algorithmus und eines Schlüssel, wobei die Sicherheit sich auf die Geheimhaltung des Schlüssels gründet. Ein Abfangen der chiffrierten Nachricht gibt noch keine Auskunft über den Inhalt. Erst der passende Schlüssel gibt den Zugang frei. Aufgrund der Vielzahl von Schlüsseln und der Einfachheit und Stärke des Systems galt das Substitutionsverfahren lange als sehr sicher.  

3. Das probate Mittel gegen die Verschlüsselung – die Kryptoanalyse

Aber dort, wo Menschen etwas verschlüsseln, gibt es andere, die genau dies entschlüsselt wollen - und schon war die Kryptoanalyse geboren. Diese geht auf den arabischen Gelehrten al-Kindi zurück, der sich wissenschaftlich systematisch schon im 9. Jahrhundert mit dem inneren Aufbau von Sprachen auseinander gesetzt hatte. Idee: Auch codierte und damit scheinbar unverständliche Texte lassen sich auf Textstrukturen hin untersuchen, um so Rückschlüsse auf den Klartext zu erlangen.     

Es erfolgte eine Analyse von Texten, durch systematisches Erkennen von Häufigkeiten von Buchstaben im Text, durch Bilden von Bigrammen (z.B. er, en, ei), dem Suchen von Trigammen (z.B. ein) oder durch die Zählung der häufigsten Worte einer Sprache ... Mit Versuch und Irrtum gelang es dann, einfach verschlüsselte Texte zu entschlüsseln. 

4. Das Rennen geht weiter … 

Schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts erfand der Franzose Blaise de Vigenère die polyalphabetische Verschlüsselung. Es können bis zu 26 verschiedene Geheimtextalphabete zur Verschlüsselung genutzt werden, wodurch die Sicherheit enorm gesteigert würde, da die Häufigkeitsanalyse weit aus weniger erfolgreich sein müsste. 

Mehr ala 300 Jahre lang galten Texte, die mit Hilfe des Vigenere-Quadrates verschlüsselt waren, als sicher und nicht zu entschlüsseln. Zahlreiche weltliche und kirchliche Würdenträger nutzen das Verfahren für ihre geheimen Botschaften und fühlten sich sicher… 

Dies änderte sich mit Charles Babbage 1854. Der Engländer suchte nach Wiederholungen im Geheim-text und konnte auf diesem Weg die Länge n des Schlüsselwortes ermitteln. Leider durfte Babbage seinen Lösungsansatz aus Geheimhaltungsgründen zu Lebzeiten nicht veröffentlichen.

Besser hatte es da der preußische Offizier Friedrich Wilhelm Kasiski, der 1863 den gleichen Lösungsweg fand und zehn Jahre nach Babbage diesen in einem Buch „Die Geheimschriften und die Dechiffrierkunst“ veröffentlichte. 

5. Die Verschlüsseler gehen mit der Enigma wieder in Führung … zeitweise.

Im Jahre 1918 von den deutschen Ingenieuren Scherbius & Ritter entwickelt. Die Chiffriermaschine bestand in ihrer besten Ausstattung aus Tastatur, 10 Walzen, 6 Walzenlagen = rotoren, einem Lampenfeld und einem Steckerbrett und bot damit über 10 hoch 15 Möglichkeiten, 6 Buchstabenpaare aus 26 Buchstaben zu kombinieren. Makrus erklärte meisterlich die genaue Wirkweise der Enigma … 

Die deutsche Wehrmacht schaffte in den 20er Jahren fast 30.000 Enigma-Maschinen an und stattete damit alle wichtigen Stabsstellen von Heer, Luftwaffe und Marine aus. Während des 2. Weltkrieges war dank der Enigma die Kommunikation zwischen Führerhauptquartier und den kämpfenden Einheiten weitgehend abhörsicher … 

Durch Verrat des deutschen Hans-Thilo Schmidt gelangte aber schon 1931 die französische Regierung unbemerkt an die Gebrauchsanweisung und eine Schlüsselanleitung für die Enigma. Außerdem entwickelte der polnische Mathematiker Rajewski 1938 ein erstes Verfahren zur Entschlüsselung von Enigma-Texten. Nach Kriegsausbruch ging Rajeweski ins Exil, genauer zum englischen Blechley-park, dem Hauptquartier des britischen Abhördienstes. Der Brite Alan Turing baute auf den Erkenntnissen der Franzosen und der Polen auf und dann die Gegengeräte zur Enigma die sog. „Turing-Bomben“ zusammen. Ab 1941 hörten die Allierten mit – die Enigma-Botschaften wurden immer öfter und immer schneller entschlüsselt, ohne daß die deutschen Stellen dies bemerkten. 

6. Und ab den 70er Jahren – das asymetrische Verfahren

Die Schwachstelle Schlüssel wurde 1977 intelligent gelöst von den Amerikanern Rivest, Shamir und Adleman (RSA). Anhand von Bob, Alice und Eve zeigte Markus auf, wie es Bob und Alice dank modernster Computertechnik und ein paar mathematischen Verfahren es gelingt, sich geheime Botschaften zu senden, ohne dass Eve eine Chance hat, mitzubekommen, welche Infos sich die beiden zusandten. 

Markus ging ein auf den gegenseitigen Schlüsselaustausch mit Hilfe von bunten Farbeimern und hohen Primzahlen. Je höher die Primzahlen, desto unwahrscheinlicher ist die Dekodierung der Schlüsselzahl und damit die Möglichkeit, die verschlüsselte Nachricht sicher zu versenden. Toll, daß es private und öffentliche Schlüssel gibt. Auf Basis des RSA-Standards verschicken wir heutzutage täglich duzende von e-mail über Internet oder tätigen via online-Banking scheinbar „sichere“ Geldtransaktionen, ohne daß wir groß darüber nachdenken. Problem: Die Sicherheitsstandards unserer eigenen PC`s zu Hause, dies zeigte die anschließende Diskussion, dürfte dramatisch niedrig sein. Hier empfahl Markus dringend, sich beraten zu lassen… 

Fazit:

Es ist eigentlich nicht viel passiert in den letzten 2000 Jahren – die Idee ist immer noch die gleiche: Hier die Nachricht, doch der mögliche Abhörer. Die technischen Möglichkeiten sind aber deutlich gewachsen, die Nachrichten sicher zu verschlüsseln. Dummerweise aber nicht nur für die normalen Menschen oder für öffentliche Behörden, sondern leider auch für Finsterlinge mit mafiosen oder terroristischen Absichten. Der alte Wettlauf um die sichersten Methoden von Ver- und Entschlüsselung geht weiter. Derzeit haben die Verschlüsseler die Nase vorn …